Chinesen auf dem Vormarsch

Marktforscher: Kein Wachstum im Smartphone-Markt zu Jahresbeginn

28.04.2016
So sieht der Smartphone-Markt Anfang 2016 aus: Kein Wachstum, die iPhone-Verkäufe fallen um 16 Prozent und in der weltweiten Spitzengruppe verdrängen international kaum bekannte chinesische Marken etablierte Anbieter wie Lenovo oder LG.

Das jahrelange Wachstum im Smartphone-Markt ist zu Jahresbeginn schlagartig abgebrochen. Im ersten Quartal seien rund 335 Millionen Computer-Handys verkauft worden, berichteten die IT-Marktforscher IDC und Strategy Analytics. Nach Berechnungen von IDC stagniert der Markt damit mit einem dünnen plus von 0,2 Prozent. Aus Sicht der Experten von Strategy Analytics, die vor einem Jahr auf einen höheren Wert als IDC kamen, ist das sogar ein Rückgang von drei Prozent. Es wäre das erste Mal überhaupt, dass der Smartphone-Markt im Jahresvergleich schrumpft.

Im Smartphone-Markt drängen mehr und mehr chinesische Hersteller Richtung Spitze.
Im Smartphone-Markt drängen mehr und mehr chinesische Hersteller Richtung Spitze.
Foto: file404 - www.shutterstock.com

Den Grund sehen die Marktforscher neben der Sättigung im bisherigen großen Wachstumsmarkt China auch in der schwachen Konjunktur in vielen Regionen. Die wirtschaftlichen Turbulenzen bewegten Verbraucher und unternehmen dazu, länger ihre bisherigen Smartphones zu nutzen.

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Nach Berechnungen von IDC haben zudem die jungen chinesischen Marken OPPO und Vivo die bekannten Anbieter wie Lenovo und Xiaomi aus den globalen Top 5 verdrängt. Strategy Analytics sieht hingegen Xiaomi noch Vivo auf Platz fünf. Beide sind sich aber darin einig, dass die 2011 gestartete Marke OPPO jetzt der viertgrößte Smartphone-Hersteller der Welt mit einem Marktanteil bei etwa fünf Prozent ist und damit auch bekannte Anbieter wie LG oder Sony weit hinter sich ließ.

Samsung sei mit 81,9 Millionen verkauften Smartphones und einem Absatzrückgang von 0,6 Prozent im Jahresvergleich an der Spitze geblieben, berichtete IDC. Rund jedes vierte Computer-Handy komme von den Südkoreanern. Strategy Analytics errechnete für Samsung einen Absatzrückgang von 82,7 auf 79 Millionen Geräte.

Hersteller

1Q16 Verkaufte Geräte (Mio)

1Q16 Marktanteil

1Q15 Verkaufte Geräte (Mio)

1Q15 Marktanteil

Veränderung im Jahresvergleich

Samsung

81.9

24.5%

82.4

24.6%

-0.6%

Apple

51.2

15.3%

61.2

18.3%

-16.3%

Huawei

27.5

8.2%

17.4

5.2%

58.4%

OPPO

18.5

5.5%

7.3

2.2%

153.2%

vivo

14.3

4.3%

6.4

1.9%

123.8%

Andere

141.5

42.3%

159.8

47.8%

-11.4%

Insgesamt

334.9

100.0%

334.4

100.0%

0.2%

Quelle: IDC Worldwide Quarterly Mobile Phone Tracker, April 27, 2016.

Die Top-5 Smartphone-Anbieter Q1/2016 laut IDC

Apple hält sich fest auf dem zweiten Platz, obwohl die iPhone-Verkäufe um rund 16 Prozent auf 51,2 Millionen Geräte absackten. Es war der erste Rückgang beim iPhone-Absatz seit dem Start des Geräts 2007. Der kalifornische Konzern, der auf Billigmodelle im Angebot verzichtet, fährt nach wie vor die höchsten Profite in der Branche ein, während viele Anbieter kaum Gewinn machen.

Der chinesische Netzwerk-Ausrüster Huawei kam auf Platz drei mit rund 28 Millionen verkauften Smartphones und einem Marktanteil etwas über acht Prozent.

Die Aufsteiger OPPO und Vivo erreichten laut IDC Marktanteile von jeweils 5,5 und 4,3 Prozent, nachdem sie ihre Verkäufe im Jahresvergleich mehr als verdoppeln konnten. Strategy Analytics kam für OPPO auf einen Marktanteil von 4,6 Prozent und sieht Xiaomi mit 4,4 Prozent noch knapp vor Vivo. Der Druck durch die aufstrebenden Anbieter ist jedoch eindeutig.

OPPO und Vivo verkaufen beide Smartphones seit 2011. Mit einem Sprung von gut 150 Prozent auf 18,5 Millionen Geräte schaffte OPPO laut IDC das stärkste Wachstum im Markt. Die Marke verkauft ihre Telefone neben China auch in anderen Ländern Asiens sowie im Mittleren Osten und in Afrika. Rund ein Fünftel der Geräte werde inzwischen außerhalb des Heimatmarktes abgesetzt, schrieb IDC. Vivo verkaufe dagegen 90 Prozent seiner Smartphones in China.

Bisher galt Xiaomi als der Inbegriff des Überfliegers aus China, der technisch hochgerüstete Geräte günstig über das Internet verkauft. Zuletzt bremste die 2010 gegründete Firma ihre internationale Expansion jedoch etwas ab. Und Lenovo, der weltgrößte PC-Hersteller, kaufte unter anderem Google den Handy-Pionier Motorola ab, um im Smartphone-Geschäft vorzurücken. (dpa/mb)