Viral ist was anderes

Markt für Enterprise Social Networking wächst langsamer als gedacht

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Die hochgesteckten Erwartungen für Social Software in Unternehmen sind vom Tisch und machen realistischeren Erwartungen Platz.

In den vergangenen zwei Jahren mussten Marktforscher ihre Prognosen für das Wachstum bei Enterprise Social Software um rund 50 Prozent zurücknehmen, berichtet aktuell das "Wall Street Journal". 2012 noch hatte beispielsweise die IDC dem Segment ein gemitteltes jährliches Wachstum von 42 Prozent für die folgenden fünf Jahr auf ein Volumen von 4,5 Milliarden Dollar im Jahr 2016 vorhergesagt. Heuer beziffert das Institut das CAGR aber nur noch mit 23 Prozent, woraus ein Marktvolumen von nur noch 2,3 Milliarden Dollar bis 2018 resultiert.

"Das hat sich dramatisch abgesenkt", räumt die IDC-Analystin Vanessa Thompson ein. Ein Grund dafür ist allerdings aus Social-Sicht positiv - Social- und Collaboration-Funktionen werden über kurz oder lang in alle Anwendungen und Tools eingebaut, was die Abhängigkeit von Standalone-Social-Software reduziert. "Aber das wird eine sehr lange Zeit dauern", gibt Thompson hierbei zu bedenken.

Insgesamt verbreite sich Enterprise Social Networking einfach nicht vergleichbar viral wie im Consumer-Markt zum Beispiel Facebook und Twitter oder das business-orientierte LinkedIn. Rückblickend sollte das auch nicht allzu sehr überraschen: "Der Wachstum des Markts für Enterprise Social Software liegt klar hinter dem anfänglichen Hype zurück. Der Markt reift inmitten von Konsolidierung und Integration", konstatiert Philipp Karcher, Analyst bei Forrester. "Die Akzeptanz steigt aber jedes Jahr, weil Enterprise Social eine Standardkomponente im Mitarbeiter-Werkzeugkasten wird." Trotzdem kämpfen viele Unternehmen (in einer aktuellen Forrester-Umfrage 55 Prozent) bei Social Software noch mit grundlegenden Probleme von Akzeptanz und Aktivität - oft liegt das daran, dass solche Tools ohne Geschäftsziel eingeführt wurden und werden.

Nicht schnell genug stieg die Aneignung möglicherweise für Yammer-Mitgründer David Sacks. Der verkündete am Donnerstag vergangener Woche (stilecht via Twitter) sein Ausscheiden bei Microsoft, das Yammer vor zwei Jahren für 1,2 Milliarden Dollar gekauft hatte - allerdings nicht nur wegen des Produkts, sondern auch wegen der grundlegend anderen Entwicklungsmethoden, die Yammer von Anbeginn an gepflegt hatte. Yammer wird bei Microsoft jedenfalls nun Teil von Outlook und Office 365 - das sei "der nächste logische Schritt auf dem Weg zu noch integrierterem Social, Zusammenarbeit und Kommunikation", schrieb Microsofts Senior Director of Product Marketing für Enterprise Social Bryan Goode in einer Stellungnahme.