Neue Yahoo-Chefin

Marissa Mayer muss stagnierendes Geschäft beleben

18.07.2012
Für die ehemalige Google-Managerin Marissa Mayer wird ihr neuer Spitzenjob bei Yahoo zu einer Herausforderung: Das Geschäft bei dem Internet-Urgestein stagniert. Das zeigen die aktuellen Zahlen für das zweite Quartal.
Die neue CEO Marissa Mayer nahm an ihrem ersten Arbeitstag noch nicht gleich am Earnings Call teil.
Die neue CEO Marissa Mayer nahm an ihrem ersten Arbeitstag noch nicht gleich am Earnings Call teil.
Foto: Google

Die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat ein Unternehmen im Stillstand übernommen. An ihrem ersten Arbeitstag legte der Internetkonzern seine Zahlen für das gerade abgelaufene zweite Quartal vor. Die gute Nachricht: Es geht immerhin nicht mehr weiter abwärts. Die schlechte Nachricht: Es geht auch nicht voran.

Der Umsatz stagnierte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu bei 1,2 Milliarden Dollar (1 Milliarde Euro). Der Gewinn fiel um vier Prozent auf unterm Strich 227 Millionen Dollar, wie Yahoo am späten Dienstag bekanntgab. Das lag an hohen Aufwendungen für den Umbau der Firma, den noch Mayers geschasster Vorgänger Scott Thompson angestoßen hatte. 2000 von vormals 14.000 Arbeitsplätzen fallen weg.

Yahoo macht die starke Konkurrenz von Google und Facebook im Online-Werbegeschäft zu schaffen. Das ist die Haupteinnahmequelle. Die Frage ist nun: Wie will die bisherige Google-Spitzenmanagerin Mayer die schwächelnde Yahoo wieder auf die Beine kriegen? Sie wurde bislang wenig konkret. Auch die Analysten erfuhren in der Telefonkonferenz zur Zwischenbilanz nichts Neues.

"Weil dies Melissas erster Tag ist, wird sie nicht an dieser Telefonkonferenz teilnehmen", sagte Finanzchef Tim Morse. Die Analysten müssten sich mit ihren Fragen rund um die Strategie noch etwas gedulden. "Ich bin sicher, dass Sie bald von ihr hören werden."

Yahoo-Werbung am Times Square in New York City
Yahoo-Werbung am Times Square in New York City
Foto: Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Yahoo hat schwierige Zeiten hinter sich: Einst stand das Unternehmen als Synonym für das Internet, doch dann kamen neue Spieler wie Google oder Facebook. Viele Nutzer wandten sich ab, gleiches galt für die Werbekunden. Erschwerend kamen interne Querelen hinzu. Yahoo-Mitbegründer Jerry Yang zog sich im Januar von allen Ämtern bei Yahoo zurück. Mariassa Mayer ist der vierte Chef binnen eines Jahres.

Carol Bartz wurde wegen Erfolglosigkeit vom CEO-Posten gefeuert, ihr Nachfolger Scott Thompson stolperte über einen falschen Titel in seinem Lebenslauf. Immerhin schaffte er es aber, den Abwärtstrend zu stoppen. Zuletzt lagen sowohl die Einnahmen aus grafischen Werbeanzeigen wie auch aus bezahlten Suchtreffern in etwa auf der Höhe des Vorjahreszeitraums. Seit Mai lenkte Spartenchef Ross Levinsohn kommissarisch das Unternehmen.

Am Dienstagmorgen übernahm die bisher für Googles Kartendienste zuständige Mayer bei Yahoo das Ruder. Immerhin konnte sich die schwangere Managerin darüber freuen, dass Yahoo die Erwartungen der Analysten für das zweite Quartal übertraf. Nachbörslich stieg die Aktie. Das dürfte der 37-Jährigen den Start in den wohl schwierigsten Job der Internetwelt etwas erleichtern.

Mayer bringt jede Menge Erfahrung im Internetgeschäft mit und gute Kontakte. Die Informatikerin hatte vor 13 Jahren gleich nach dem Studium als Mitarbeiterin Nummer 20 bei Google angefangen und wurde das weibliche Gesicht des Suchmaschinen-Betreibers. Sie half mit, aus einem Startup den heutigen Internetriesen zu formen. Am Montag kündigte sie vollkommen überraschend. Im Oktober erwartet sie ihr erstes Kind. (dpa/tc)

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