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Das Verhältnis von Business und IT

Maria, er versteht´s (noch) nicht.

Christoph Witte arbeitet als Publizist, Sprecher und Berater. 2009 gründete er mit Wittcomm eine Agentur für IT /Publishing/Kommunikation. Hier bündelt er seine vielfältigen Aktivitäten als Autor, Blogger, Sprecher, PR- und Kommunikationsberater. Witte hat zwei Bücher zu strategischen IT-Themen veröffentlicht und schreibt regelmäßig Beiträge für die IT- und Wirtschaftspresse. Davor arbeitete er als Chefredakteur und Herausgeber für die Computerwoche, Deutschlands wichtigster IT-Publikation für Unternehmen. Außerdem ist Witte Mitbegründer des CIO Magazins, als dessen Herausgeber er bis 2006 ebenfalls fungierte.
Mit dieser Abwandlung des Buchtitels „Maria, ihm schmeckt´s nicht“, ein populärer Roman, in dem die Wirrungen einer deutsch-italienischen Eheschließung beschrieben werden, lässt sich das Verhältnis von Business und IT ironisch zusammenfassen.

Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten McKinsey-Studie legen nahe, dass die seit langem klaffende Verständnislücke zwischen IT und Business keineswegs kleiner geworden ist, und dass die IT weit hinter ihrem Anspruch zurückbleibt, mit IT-Anwendungsinnovationen die Prozesse und Geschäfte ihrer Unternehmen zu befördern.

Die Enterprise IT macht laut Studie in den Augen des Top-Managements einen eher unterdurchschnittlichen Job. Sogar IT-Manager selbst halten die IT in vielen Bereichen für uneffektiv. So sagen 43 Prozent der Befragten zwar, dass die IT "komplett" oder "sehr effektiv" sei in Sachen IT-Infrastrukturmanagement. Aber nur 26 Prozent attestieren der IT-Abteilung im Bereich IT-Governance gute Noten. Noch schlechter sehen sie die Leistungen der IT, wenn es darum geht, Geschäftsprozesse mit Technologie zu unterstützen oder zu innovieren (22 Prozent). Auch im Aufspüren der Bereiche, in denen die IT den größten Wertbeitrag generiert, halten nur 21 Prozent der IT-Manager ihre Abteilungen für gut oder sehr gut.

CIOs müssen mit einbezogen werden

Gerade in Zeiten zunehmender Digitalisierung ist dieses Gap zwischen IT und Business ein großes Problem. Wie können Unternehmen die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse vorantreiben, wenn die IT nicht mitzieht? Wie können sie die Themen Industrie 4.0 oder Internet of Things stemmen, wenn die IT selbst in den Augen ihrer eigenen Manager offenbar schon in ihren heutigen Aufgaben Defizite zeigt?

Einen Chief Digital Officer einzusetzen würde die Situation kaum verbessern. Er könnte sich zwar um die kundenorientierte IT - die sogenannten Systems of Engagement - kümmern, aber damit diese Systeme im Unternehmenssinne effektiv eingesetzt werden können, benötigen sie die IT-Backend-Funktionen und die Enterprise IT.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Überraschenderweise ist die Performance der Enterprise IT den McKinsey-Beratern zufolge in vielen Bereichen doppelt so hoch, wenn die CIOs direkt in die Strategiebildung des Unternehmens eingebunden sind. Die Leistungssteigerung betrifft dabei vor allem die IT-Tätigkeiten, in denen eine enge Zusammenarbeit mit dem Business gefragt ist. Obwohl laut Studie noch wenige Unternehmen diesen Weg gehen, erscheint er vielversprechend. Liegt es doch auf der Hand, dass IT-Manager, die Business-Strategien mitentwickeln, sie auch stärker zu ihrer Sache machen und ihre Realisierung intensiver vorantreiben als wenn sie ihnen nach dem Motto "friss oder stirb" vorgesetzt werden. Außerdem wächst das gegenseitige Verständnis für die Zwänge der anderen Seite in so einem gemeinsamen Strategieprozess ungemein.

Übrigens: Der Roman über die deutsch-italienischen Familienverhältnisse hat ein Happy End. Es beginnt dort, wo der deutsche Bräutigam beginnt, die Mentalität der italienischen Familie zu verstehen, in die er einheiratet. Warum soll das einem CIO mit der Mentalität der Business-Seite nicht auch gelingen, wenn er die Chance bekommt, sie intensiv kennenzulernen.