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Marchfirst stellt Konkursantrag

17.04.2001
Europageschäft soll abgestoßen werden

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die zuletzt arg in finanzielle Schieflage geratene Internet-Beratungsfirma Marchfirst hat am vergangenen Donnerstag Gläubigerschutz gemäß Paragraph elf des US-Konkursrechts beantragt. Im Antragsschreiben listet die Company sowohl Aktiva als auch Schulden von jeweils mehr als 100 Millionen Dollar auf; insgesamt steht Marchfirst bei mehr als 1000 Parteien in der Kreide. Zuvor war der Handel mit den Aktien der Company an der Nasdaq ausgesetzt worden. Zu diesem Zeitpunkt dümpelte der Pennystock bei 31 Cent, meilenweit entfernt von seinem 52-Wochen-Hoch (35,50 Dollar).

Marchfirst Europa mit nach eigenen Angaben 1200 Mitarbeitern in 23 Büros ist nicht in das US-Konkursverfahren eingeschlossen. Die Organisation werde unabhängig von den Restrukturierungsarbeiten in den USA fortgeführt, heißt es in einer Pressemitteilung. Geplant sei, die Aktivitäten auf dem alten Kontinent in den kommenden Wochen "mit einem strategischen Partner zu verschmelzen" und dadurch von den Turbulenzen des US-Markts zu entkoppeln.

Marchfirst entstand vor gut einem Jahr (eben am 1. März 2000), als Bob Bernard, Chef des IT-Dienstleisters Whittman-Hart, den Fehler beging, für 7,1 Milliarden Dollar in Aktien die bereits fusionierten Web-Berater von USWeb/CKS zu übernehmen. Am Tag vor der Übernahme betrug die kombinierte Börsenbewertung beider Unternehmen rund zwölf Milliarden Dollar. Danach ging es rapide abwärts: Kunden zahlten ihre Rechnungen nicht, zu hohe Ausgaben für Werbung und langfristige Mietverträge, eine unglückliche Hand bei Risikokapital-Investitionen in mögliche Kunden. Die Folge: Mindestens 4000 Menschen verlieren durch die Misswirtschaft ihren Arbeitsplatz - ein tragisches "Musterbeispiel" der so genannten New Economy.