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Mannesmann behält sein Arcor-Festnetz

04.02.2000
Friedliche Fusion mit Vodafone Airtouch

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach der gestern offiziell beschlossenen Übernahme des Düsseldorfer Mannesmann-Konzerns durch Vodafone Airtouch Plc. wurde nun bekannt, dass der neue TK-Riese den Festnetzbereich Arcor nicht verkaufen wird. Auch die Mannesmann-Anteile an dem italienischen Carrier Infostrada sollen im fusionierten Unternehmen verbleiben. Die beiden Konzerne vereinbarten ferner, dass die Strategie der Deutschen bezüglich integrierter Datenprodukte und Telecommerce fortgesetzt werde. Düsseldorf wird zu einer von zwei Zentralen für das europäische TK-Geschäft des kombinierten Unternehmens. Der Mannesmann-Bereich Engineering und Automotive soll wie geplant Mitte des Jahres an die Börse gehen. Diese Vereinbarungen müssen noch vom Mannesmann-Aufsichtsrat genehmigt werden.

Mannesmann-Chef Klaus Esser, der bislang vehement gegen eine feindliche Übernahme durch Vodafone gekämpft hatte, begründete sein Einlenken damit, dass der britische Mobilfunkbetreiber sich in den letzten Wochen zunehmend an die Mannesmann-Strategie der integrierten TK-Dienste angenähert habe. Zudem sei der Wert der Offerte insgesamt um 90 Prozent gestiegen. Auch habe es Zeichen dafür gegeben, dass die Mannesmann-Aktionäre inzwischen eine Fusion befürworteten. Esser wird in der Company zunächst Vorstandsvorsitzender von Mannesmann bleiben und während des Integrationsprozesses zudem stellvertretender Vorsitzender des Gesamtunternehmens sein. Allerdings dürfte es sich um ein Engagement auf Zeit handeln, da im Vorfeld der Fusion bereits angekündigt worden war, Esser werde den Konzern im Falle einer Übernahme verlassen.

Der neue Konzern ist mit 42,3 Millionen Kunden nicht nur der größte Mobilfunkanbieter in Europa, sondern mit einem globalen Marktanteil von zehn Prozent auch einer der weltgrößten Carrier - zusammen mit NTT DoCoMo aus Japan, der Deutschen Telekom sowie MCI Worldcom und AT&T aus den USA. Durch diese Transaktion, die selbst den Merger von AOL und Time Warner in den Schatten stellt, werden Vodafone und Mannesmann zum viertgrößten Unternehmen der Welt - hinter Microsoft, General Electric und Cisco Systems. Intel rutscht damit auf Platz fünf der Weltrangliste. Experten vermuten, dass im nun weiter verschärften Wettbewerbskampf auch andere TK-Anbieter fusionieren werden, um Vodafone und Mannesmann Paroli bieten zu können. Insbesondere die Deutsche Telekom steht immer wieder im Mittelpunkt von Fusionsgerüchten.

Mit dieser Akquisition gelingt es Vodafone als erstem Unternehmen, eine deutsche Firma im Rahmen einer feindlichen Übernahme zu erwerben. Bei dieser Transaktion, für die der britische Konzern insgesamt rund 190 Milliarden Euro hinblättern muss, erhalten die Aktionäre für jedes Mannesmann-Papier 58,96 Vodafone-Anteilscheine. Das aufgebesserte Angebot liegt nach gestrigem Börsenstand bei 353 Euro pro Mannesmann-Aktie und damit um fünf Prozent höher als die zuvor unterbreitete Offerte. An dem neuen Unternehmen wird Vodafone 50,5 und Mannesmann 49,5 Prozent der Anteile halten.