Managern fehlt ethische Kompetenz

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Pater Anselm Bilgri plädiert für eine stärkere Wertekultur in der Wirtschaft. Diese müsse von den Führungskräften vorgelebt werden.

Leitlinien zu Führung und Unternehmenskultur existieren in vielen Firmen. Diese hehren Ziele werden zwar in schöne Sätze verpackt und in Mitarbeiterhandbüchern oder im Intranet verewigt, aber bei der nächsten wirtschaftlichen Flaute vergessen. Dabei könnte eine ethische Haltung der Führungskräfte den Erfolg eines Unternehmens fördern. Dieser Überzeugung ist Pater Anselm Bilgri, bis vor kurzem Prior des Benediktiner-Kloster in Andechs und mittlerweile selbständiger Unternehmensberater.

Auf der "Handelsblatt"-Konferenz "Personal im 21. Jahrhundert" in Freising appellierte der Mönch für eine Ethik im Sinne eines Abwägens zwischen ideellen und materiellen Werten: "Führungskräfte brauchen das rechte Maß, sie finden sich in der täglichen Balance zwischen Unternehmenszielen und den Interessen der Stakeholder wie der Mitarbeiter."

Anselm Bilgri: "Die Mitarbeiter lernen durch das Vorbild der Führungskräfte."
Anselm Bilgri: "Die Mitarbeiter lernen durch das Vorbild der Führungskräfte."

Als Richtschnur einer werteorientierten Unternehmensführung könnte in den Augen von Bilgri die 1500 Jahre alte Klosterregel Benedikts von Nursia dienen. Dieser richtete im Sinne der "discretio" (Unterscheidung) seinen Blick auf die Stärken und Talente der Menschen. "Auch Führungskräfte sollten die Mitarbeiter voneinander unterscheiden, um dem Einzelnen besser gerecht zu werden", erläutert Bilgri. Was sind die besonderen Fähigkeiten meines Mitarbeiters? Nur wer als Vorgesetzter diese Frage beantworten kann, kann auch die Voraussetzungen schaffen, damit der Mitarbeiter seine Talente entfaltet und so dem Unternehmen zu mehr Erfolg verhilft. Als Beispiel nennt Bilgri einen Bankangestellten, der seine private Passion für Literatur und Filme nun auch in seinen Job einbringen kann und zusammen mit seinem Chef ein Kultursponsoring aufbaute.

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