"Manager müssen wie Regisseure arbeiten"

06.02.2002 | von 
freie Journalistin in München

ENGLISCH: Der Künstler Alexander Stenzel, den ich in meinem Buch vorstelle, ist sicher ein Exot, denn er besitzt nur seine Digitalkamera, einen Laptop und einen Koffer mit Kleidung. Es gibt nicht viele Menschen, die so leben möchten. Aber was sich ändern wird, ist die Tatsache, dass sich mehr Leute als bisher durchaus eine Zeitlang so ein Leben vorstellen können und dass viele nicht mehr so stark in festen Strukturen verankert sind. Mit Mobilität meine ich in erster Linie geistige Beweglichkeit. Jemand, der über das Netz für mehrere Arbeitgeber in seinem Home-Office arbeitet und nur virtuell unterwegs ist, gehört ebenso zu den Jobnomaden wie ein Globetrotter. Diese Spezies kommt mit verschiedenen Lebensentwürfen und flexiblen sozialen Bezugssystemen zurecht, etwa einem weiter gefassten Freundeskreis. Bisher sind oft die Kollegen und Nachbarn auch die besten Freunde. Das ändert sich durch die elektronischen Netze stark.

Außerdem sehe ich Manager, die ständig um die Welt jetten, nicht unbedingt als Jobnomaden an, denn sie bewegen sich in fest vorgegebenen Strukturen und treffen meist nur Menschen, die ihnen sehr ähnlich sind.

CW: Welche Qualifikationen und Fähigkeiten müssen Jobnomaden mitbringen, um erfolgreich zu sein?

ENGLISCH: Sie müssen in Projekten und nicht in Abteilungen denken. Teamarbeit und selbständiges Arbeiten gehören auf jeden Fall dazu. Jobnomaden erwerben ihr Wissen nicht nur in der Schule und Universität, sondern qualifizieren sich eher über Berufs- und Lebenserfahrungen. Das kann beispielsweise ein Praktikum im Ausland sein oder die Arbeit in einem sozialen Projekt. Am wichtigsten ist es, vielfältige Erfahrungen zu erwerben.

CW: Können nur junge, gut ausgebildete Menschen das Leben eines Jobnomaden führen, oder wird es für viele die Arbeitsform der Zukunft sein?

ENGLISCH: Wie andere Avantgarde-Bewegungen geht auch das Jobnomadentum von einer Elite aus. Aber wenn man genauer hinsieht, dann wird klar, dass viele Menschen keine herkömmliche Erwerbstätigkeit mehr ausüben. Gleichzeitig bietet Projektarbeit durchaus auch für Leute mit geringerer Qualifizierung Chancen, sich wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern. Wie vielfältig die Talente der Menschen sind, zeigt sich auch daran, dass viele schon heute sehr erfolgreich auf dem Schwarzmarkt arbeiten. Jobnomadentum ist keine Bewegung für die oberen 10 000. Einige Probleme des Arbeitsmarktes ließen sich mit flexiblen Arbeitsformen besser lösen als mit neuen Beschäftigungsprogrammen.

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