Wider die E-Mail-Flut

Manager im Würgegriff des Blackberry

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Wenn der Blackberry den Arbeitsrhythmus diktiert, wird es Zeit für die Notbremse.

Ein normaler Arbeitstag beginnt für viele Manager, indem sie auf dem Weg ins Büro schnell ihre E-Mails abrufen und die ersten Arbeitsanweisungen per Telefon durchgeben, um sich dann sofort ins erste Meeting zu stürzen. Das Mobiltelefon diktiert das Arbeitsverhalten; sobald ein Signalton erklingt, wechselt die Konzentration von einer kniffligen Aufgabe zur gerade eingegangenen E-Mail. Ähnlich wie beim Pawlowschen Hund löst ein Klingelton eine Reaktion aus. Viele Führungskräfte lesen selbst belanglose Nachrichten sofort, beantworten und kommentieren sie.

Urlaub ohne Blackberry undenkbar

Anja Gerlmaier, Institut für Arbeit und Qualifikation "Aktive Freizeitgestaltung wird immer schwerer."
Anja Gerlmaier, Institut für Arbeit und Qualifikation "Aktive Freizeitgestaltung wird immer schwerer."

Nebenbei läutet das Telefon, zugleich steht ein Kollege im Türrahmen und möchte sofort eine Antwort auf seine Frage. Offene Bürotüren und ständige Verfügbarkeit zwingen viele Chefs dazu, die Aufmerksamkeit permanent zwischen verschiedenen Aufgaben aufzuteilen. Doch genau das stresst. Eine Balance zwischen Berufs- und Privatleben existiert nicht mehr. Manager lesen überall ihre E-Mails, ein Urlaub ohne Mobiltelefon oder Blackberry wäre undenkbar. Dass das ungesund ist, spüren viele. Um langfristig leistungsfähig zu bleiben, ist ein ausgewogener Lebensstil unumgänglich.

Eine der Schattenseiten von langen Arbeitstagen und ständiger Erreichbarkeit können Burnout-Symptome sein. Besonders anfällig hierfür sind IT-Mitarbeiter, wie Anja Gerlmaier vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) in Gelsenkirchen in langjährigen Forschungsprojekten nachweisen konnte. "Gerade die Aufgaben von IT-Mitarbeitern erfordern ein hohes Maß an Konzentration. 90 Prozent der von uns Befragten gaben an, dass sie oft oder immer wieder in ihrer Arbeit unterbrochen werden. Das wirkt sich belastend aus", so die Arbeitspsychologin. Während jüngere Kollegen die häufigen Unterbrechungen durch E-Mails oder Anrufe meistens gut wegstecken könnten, fühlen sich ältere Mitarbeiter genervt, reagieren verärgert und sind schneller erschöpft.