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Mainframe-Spezialisten sterben aus

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
In deutschen Rechenzentren tickt eine Zeitbombe. Viele Mainframe-Experten stehen kurz vor der Rente, Nachwuchskräfte sind auf dem Arbeitsmarkt kaum zu bekommen.

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Foto: T-Systems
Foto: T-Systems

ehr als 50 Prozent der Großrechnerspezialisten werden innerhalb der nächsten fünf Jahre aus dem Arbeitsleben ausscheiden, schätzt Jürgen Ley, Brand Manager für Großrechner-Systemsoftware bei IBM Deutschland. "Die meisten wurden vor 20 bis 30 Jahren eingestellt und müssen rechtzeitig ersetzt werden." Zwei bis drei Jahre Praxiserfahrung brauche eine ausgebildete Fachkraft mindestens, um eigenverantwortlich arbeiten zu können.

"Wir würden schon einstellen", sagt Johann Bergermeier, stellvertretender Leiter im Rechenzentrum der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung. "Aber wir finden niemanden." Als die Behörde im vergangenen Jahr Stellenanzeigen für IBM-Großrechnerexperten schaltete, meldete sich kein einziger passender Bewerber.

Bergermeier ist kein Einzelfall, bestätigt Eberhard Grammes, Region Manager Germany bei der IBM Benutzervereinigung Guide Share Europe (GSE). "Die Nachfolgeregelung ist zu einem Riesenproblem geworden." Viel zu lange hätten IT-Verantwortliche die Ausbildung vernachlässigt: "In den 90er Jahren, als alle nur noch von Client-Server sprachen, galten Großrechner als Teufelszeug." Es schien, als gebe es keinen Bedarf mehr an einschlägigen Fachkräften.

Eine Fehleinschätzung, wie sich heute erweist. Nach IBM-Angaben setzen noch immer rund 500 Unternehmen in Deutschland einen oder mehrere Mainframes ein. Auf jede Installation kommen vier bis fünf Systemspezialisten, ohne die die Big Irons trotz immer ausgefeilterer Automatisierungsfunktionen nicht arbeiten können.

Der Trend zum Outsourcing verschärfe das Nachfolgeproblem noch, so Grammes. Wenn etwa Finanzkonzerne ihre komplette IT-Infrastruktur auslagerten, bestehe kein Interesse mehr, eigene Mainframe-Spezialisten auszubilden. Schließlich trägt der Dienstleister die Verantwortung für den Betrieb. Setze sich diese Entwicklung fort, gebe es eines Tages nur noch eine Handvoll spezialisierter Dienstleister, die über entsprechende Fachkräfte verfügten, fürchtet der Anwendervertreter: "Wenn dann ein Anbieter wegbricht, wird es eng."