Bescheidene Frauen?

Männer sind ehrgeiziger

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
In Deutschland sind Frauen mit der erreichten Karrierestufe zufrieden. Nur jede Vierte will laut einer Befragung des IT-Dienstleisters Accenture ihre Karriere 2011 selbst vorantreiben, unter den Männern strebt dagegen jeder Zweite nach Höherem.
Cathrin Hinkel, Accenture: "Viele Frauen haben die gläserne Decke akzeptiert."
Cathrin Hinkel, Accenture: "Viele Frauen haben die gläserne Decke akzeptiert."
Foto: Accenture, Catrin Hinkel

Für Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture und verantwortlich für Human Capital & Diversity, sind das alarmierende Ergebnisse: "Offensichtlich haben sich Frauen damit eingerichtet, dass es für sie im Job häufig nicht weitergeht. Viele haben die so genannte gläserne Decke akzeptiert."

Nur 30 Prozent der weiblichen Angestellten wollen in die oberste Führungsebene vorstoßen, gegenüber 41 Prozent der Männer. Frauen sehen die Schuld für mangelnde Aufstiegschancen oft bei sich selbst, etwa weil ihnen Fertigkeiten fehlten. "Das ist fatal für Unternehmen, da ihnen damit weniger Kandidaten für Positionen mit anspruchsvollen Aufgaben zur Verfügung stehen", sagt Hinkel. "Arbeitgeber sollten mehr Frauen ans kalte Wasser heranführen und aktiv mit Führungsaufgaben betrauen."

Vor allem Frauen mit Kindern scheuten oft den Sprung ins kalte Wasser, hat die Accenture-Managerin beobachtet. "Es ist immer noch schwierig, Job und Familie zu vereinbaren. Berufstätige Mütter müssen sich oft fragile und individuelle Konstrukte aufbauen. Sie befürchten, dass diese durch neue Aufgaben in Frage gestellt werden, und vermeiden daher, etwas daran zu ändern." Unterstützen könne der Arbeitgeber mit flexiblen Arbeitsmodellen. Auch bei Männern würden Unternehmen damit punkten: Vereinbarkeit von Beruflichem und Privatem hat für Männer laut Umfrage eine ebenso hohe Bedeutung wie für Frauen.

Eine gesetzliche Frauenquote befürworten 44 Prozent der Arbeitnehmerinnen in Deutschland. Das zeigt für Hinkel: "So weit kann es mit der Zufriedenheit im Job nicht her sein kann, wenn die Frauen die Quote so deutlich befürworten."