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Macromedia schluckt Allaire

17.01.2001
Der Multimedia-Experte Macromedia schluckt den Applikations-Server-Spezialisten Allaire für 360 Millionen Dollar. Damit soll ein "One-stop-Shop" für Web-Entwickler entstehen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Multimedia-Experte Macromedia wird den auf Internet-Software-Lösungen spezialisierten Anbieter Allaire für 360 Millionen Dollar in bar und Aktien übernehmen. Das kombinierte Unternehmen, das unter dem Namen Macromedia firmieren soll, bietet damit ein umfassendes Produktportfolio für Web-Profis: von Internet-Gafik-Tools bis hin zu Backend-Applikations-Entwicklungslösungen.

Macromedia mit Hauptsitz in San Franzisko ist unter anderem durch die Entwicklung des populären "Flash"-Formats für Web-Animationen bekannt. Das Unternehmen führt zudem das Website-Design-Tool "DreamWeaver" im Programm, das direkt mit Adobes "GoLive"-Produkt konkurriert. Auch Macromedias Internet-Grafiksoftware "Fireworks" steht im Wettbewerb mit dem beliebten "PhotoShop" von Adobe. Mit der Akquisition von Allaire versucht der kalifornische Multimedia-Experte seine Marktposition gegenüber dem Konkurrenten zu festigen. Das in Newton, Massachusetts, ansässige Unternehmen Allaire wiederum ist wegen seines Website-Design-Programms "Homesite" und seiner Applikations-Server "ColdFusion" und "JRun" bekannt.

Für Robert Burgess, Chief Executive Officer (CEO) von Macromedia, ist die Übernahme ein logischer Schritt. Mit der Kombination der Produkte werde Web-Profis die Möglichkeit gegeben, "sowohl das Aussehen einer Website als auch die Applikationslogik dahinter effizient zu gestalten." Zunächst will Macromedia an Allaires Plan festhalten, ColdFusion auf den J2EE-Standard (Java 2 Enterprise Edition) zu migrieren. In einem nächsten Schritt sollen dann Komponenten und Anwendungslogik entwickelt werden, die unter anderem Java und Microsofts ".NET" unterstützen.

Das kombinierte Unternehmen wird künftig drei Produktkategorien anbieten: eine Entwicklungsplattform für HTML- und Text-basierten Content (Dreamweaver inklusive HomeSite), eine Vektor-basierte Animationsreihe (Flash und ähnliche Tools) sowie eine Applikations-Server-Sparte, die sich aus Macromedias "Generator"-Server und Allaires ColdFusion, Jrun und "Spectra" zusammensetzt.

Rob Burgess bleibt Chef und Chairman von Macromedia. Allaire-Gründer Jeremy Allaire, bislang Chief Technology Officer bei dem Internet-Softwarespezialisten, wird diese Position künftig auch im kombinierten Unternehmen inne haben. Unklar bleibt indes die Rolle von David Orfao, bislang Chef von Allaire. Seine Zukunft wurde weder in der Pressemitteilung der Firmen noch in einem Conference-Call mit der Presse erwähnt.

Die Merger-Nachricht wurde von den Marktexperten generell positiv aufgenommen. Einige halten nicht nur die Kombination der Produkte für sinnvoll, sondern auch den Zeitpunkt der Akquisition. So könne das augenblicklich defizitär wirtschaftende Allaire nicht nur finanziell sondern auch vom Management-Know-how des Käufers profitieren.

Beide Firmen gaben am gestrigen Dienstag zudem ihre jüngsten Unternehmensergebnisse bekannt. Allaire verbuchte in seinem vierten Fiskalquartal einen Nettoverlust von sieben Millionen Dollar. Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte die Company noch einen Profit von 248.000 Dollar gemeldet. Der operative Verlust lag bei 6,2 Millionen Dollar oder 23 Cent je Aktie; Analysten hatten hier mit einem Defizit von 24 Cent pro Anteilschein gerechnet. Die Einnahmen stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 64 Prozent auf 30,1 Millionen Dollar.

Macromedia verzeichnete in seinem ersten Fiskalquartal einen Nettoprofit von 12,8 Millionen Dollar. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres belief sich der Gewinn auf 1,3 Millionen Dollar. Der Umsatz des Multimedia-Spezialisten kletterte gegenüber der Vorjahresperiode um 60 Prozent auf 64,3 Millionen Dollar. Das Unternehmen erklärte zudem, es werde die Ergebnisse von Shockwave.com, an dem Macromedia die Mehrheit hält, nach dessen vollzogener Übernahme von Atomfilms (Computerwoche online berichtete) nicht mehr in seiner Bilanz aufführen.

Ab 2002 sollen dann die Allaire-Zahlen in der Bilanz des Multimedia-Konzerns konsolidiert sein.

Im Fiskaljahr 2002 rechnet Macromedia mit einem Umsatz von 630 Millionen Dollar. Das operative Ergebnis soll dann bei rund 1,70 Dollar je Aktie liegen, hieß es.