Cloud-Integration

Macht Accenture schon 3,6 Milliarden Dollar Cloud-Umsatz?

22.01.2014
Dr. Carlo Velten schreibt als Experte zu den Themen Cloud-Platforms und -Developers, Enterprise Cloud Management und Digital Business. Dr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen.
Accenture beschäftigt eigenen Angaben zufolge weltweit 9000 Mitarbeiter im Cloud-Geschäft. Crisp Research hat hochgerechnet und kommt grob geschätzt auf 3,6 Milliarden Dollar Cloud-Umsatz pro Jahr.

Da müssen sich die Wettbewerber warm anziehen! Nach Aussagen von Accenture CTO Paul Daugherty in einem Interview mit der Computerwoche sind in der Cloud-Geschäftseinheit weltweit schon 9.000 Mitarbeiter beschäftigt. Unterstellt man eine durchschnittliche Auslastung (200 Tage) und Tagessätze (2.000 Dollar) würde diese Teamstärke für rund 3,6 Milliarden Dollar Cloud-Umsatz stehen. Und dies hauptsächlich mit Beratung und Integration. Wow!

Paul Daugherty, CTO von Accenture: "Unser Cloud-Geschäftsbereich wächst sehr schnell, dort beschäftigen wir mittlerweile schon weltweit etwa 9000 Mitarbeiter." (CW-Interview, Dezember 2013)
Paul Daugherty, CTO von Accenture: "Unser Cloud-Geschäftsbereich wächst sehr schnell, dort beschäftigen wir mittlerweile schon weltweit etwa 9000 Mitarbeiter." (CW-Interview, Dezember 2013)

Geht man weiter davon aus, dass rund jeder dritte Dollar beziehungsweise Euro in den Cloud-Projekten auf Beratung und Integration entfällt, dann steht Accenture für ein Projektvolumen von über zehn Milliarden Dollar - inklusive Cloud-Services und Cloud-Infrastruktur. Das wird die Technologiepartner á la Salesforce, Amazon AWS und Google sicherlich freuen.

Vielleicht mag in der Aussage von Paul Daugherty auch etwas Überoptimismus mitschwingen. Denn derzeit bewegt sich der wirkliche Cloud-Umsatz wohl noch nicht in dieser Größenordnung. Nach Einschätzungen von Crisp Research hat Accenture im Geschäftsjahr 2013 rund 1,7 Milliarden US Dollar Cloud-Umsatz generiert, was rund 5,9 Prozent des Accenture-Gesamtumsatzes entspricht. Damit liegt Accenture leicht über dem Branchendurchschnitt von rund fünf Prozent der IT-Ausgaben, die im letzten Jahr auf Cloud Computing entfielen.

Cloud-Integration wird zum Big Business

Foto: Accenture

Eines zeigen die ambitionierten Planungen und Aktivitäten seitens Accenture deutlich: Der Cloud-Markt ist von der Hype- in die Implementierungsphase eingetreten. Denn selbst das global agierende Beratungshaus Accenture kann sich auf Dauer keine 9000-personenstarke Cloud-Expertentruppe leisten, wenn diese nicht ausgelastet ist.

Crisp Research stellt einen zunehmenden Wandel der Cloud-Projekte auf Anwenderseite fest. Denn erstmals wird nicht mehr über die Position von Cloud Computing auf den verschiedenen Hypecycle-Modelle diskutiert, sondern darüber, wie sich moderne Cloud-Services mit der Unternehmens-Infrastruktur integrieren und zu flexiblen IT-Landschaften ("Hybrid Cloud") entwickeln lassen.

Im Fokus der Projekte stehen in 2014:

  • Blueprints für hybride Cloud-Architekturen,

  • Integrationskonzepte, die Cloud-Services mit den hauseigenen SAP/ERP-Systemen verzahnen,

  • Security-Strategien, die den neuen Cloud-Betriebsmodellen Rechnung tragen,

  • Planungsgrundlagen (TCO / ROI), die die Integrations-, Betriebs- und Lizenzkosten sauber abbilden und prognostizierbar machen.

Cloud-Integration - Zeit der Spezialisten

Um diesen Anforderungen auf Anwenderseite gerecht zu werden, braucht es eine Reihe sehr spezialisierter Skills. So müssen sich Berater und Integratoren nicht nur intensiv mit den Systemen und Prozessen auf Anwenderseite (ERP, IAM, Prozessmanagement, RZ-Architekturen etc.) auskennen, sondern müssen vor allem Spezial-Knowhow im Hinblick auf die zu integrierenden Cloud-Plattformen (Salesforce, AWS, Microsoft & Co) mitbringen.

Da sich dieses Spezialwissen nicht auf Knopfdruck zuschalten lässt, sondern es jahrelanger Projekt- und Technologieerfahrung bedarf, haben auch viele große IT-Service-Provider, Integratoren und Berater heute Probleme, beim Skill-Management mitzuhalten. Derzeit haben diejenigen Integratoren die Nase vorn, die sich schon länger mit einer Cloud-Plattform oder -Technologie auseinandergesetzt haben. So fokussieren sich beispielsweise Tquila und Clienthouse auf Salesforce, Axtrion und Kreuzwerker auf Amazon AWS, Daenet auf Microsoft Azure.

Accenture kauft Clienthouse

Foto: Lightspring/Shutterstock

Um die eigenen Wachstumsambitionen im Cloud-Markt zu untermauern und sich ebenjenes Spezialwissen zu sichern, akquiriert Accenture derzeit kleinere Spezialisten wie kürzlich die Clienthouse GmbH aus Jena. Damit baut Accenture seine Position als weltweit größter Salesforce-Partner weiter aus, der nach Unternehmensangaben über 2.400 auf Salesforce geschulte beziehungsweise zertifizierte Mitarbeiter verfügt. Aber auch die Mitbewerber aus dem Prüfungs- und Beratungslager, wie beispielsweise PWC, kaufen kontinuierlich kleinere Beratungsfirmen und -Teams zu, um mit den Integrationsspezialisten mitzuhalten.

Allerdings fragt sich der kritische Beobachter, warum Accenture kleine lokale Dienstleister zukaufen muss, wenn die weltweite Organisation über mehr als 9.000 Cloud-Spezialisten verfügt. Anscheinend ist es um den internen Skill-Level im Cloud-Bereich doch nicht so gut bestellt, wie das Accenture-Management seinen Kunden glaubhaft machen möchte. Denn sollten die Angaben stimmen, müssten Accenture allein im deutschen Markt rund 800 bis 900 Cloud-Spezialisten zur Verfügung stehen.

Auswahl der Cloud-Integrationspartner - Verantwortung des CIO

Die erfolgreiche Umsetzung von unternehmensweiten Cloud-Projekten steht und fällt mit der Qualifikation der beteiligten Personen. Denn noch sind die Integrationserfordernisse zwischen Cloud-Plattformen und Unternehmens-IT riesig und komplex. Somit sollten sich die Anwender bei der Auswahl der für sie geeigneten Integrationspartner Zeit nehmen und die Fähigkeiten und Referenzen ernsthaft prüfen. Denn fehlen diese Skills, laufen Unternehmen Gefahr, ihre Cloud-Projekte abbrechen zu müssen beziehungsweise die avisierten Business-Case-Ziele zu verfehlen. Die Auswahl der passenden Cloud-Integrationspartner ist damit klar Sache des CIO. (jha)