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Lucent zahlt 25 Millionen Dollar Strafe an die SEC

18.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mehr als ein Jahr nach einer grundlegenden Einigung bezüglich Lucents Bilanzierungspraxis (Computerwoche.de berichtete) hat sich der TK-Ausrüster bereit erklärt, 25 Millionen Dollar Bußgeld an die US-Börsenaufsicht SEC zu zahlen. Wie das Unternehmen aus Murray Hill, New Jersey, mitteilte, behalten jedoch alle anderen Punkte der Übereinkunft ihre Gültigkeit. Lucent müsse auch weiterhin keine Bilanzen revidieren.

Laut Ankündigung will die SEC mit der nun erhobenen Strafe keine Rechtsverletzungen ahnden, sondern den Mangel an Kooperation und bestimmte Handlungen der Company im Anschluss an die grundsätzliche Einigung sanktionieren. Obwohl Lucent von der Entscheidung der SEC enttäuscht sei, habe es beschlossen, das Bußgeld zu entrichten, um den Fall ad acta zu legen.

Welche Fehler der SEC sauer aufstießen, sagte Lucent nicht. Laut "Wall Street Journal" zählt dazu unter anderem um ein Statement des Lucent-Anwalts Paul Saunders in einem Bericht des "Fortune Magazine" vom Juni vergangenen Jahres. Dort bezeichnete Saunders den 125 Millionen Dollar schweren Deal zwischen Lucent und Winstar Communications als Kommunikationsproblem, nicht jedoch als Bilanzbetrug. Der von der SEC monierte Fehler sei nicht absichtlich begangen worden. Später musste Lucent jedoch in einer öffentliche Gegendarstellung einräumen, dass diese Aussagen unangemessen und falsch waren. Die Transaktion habe zur Fälschung von Dokumenten infolge von Bilanzierungsfehlern geführt, beide Tatbestände seien grundliegend falsch und könnten nicht gerechtfertig werden.

Die SEC hatte die Ermittlungen gegen Lucent Ende 2000 aufgenommen, nachdem der AT&T-Ableger die Aufsichtsbehörde über Umsatzfalschbuchungen in Höhe von 679 Millionen Dollar informiert und seine Quartalsberichte entsprechend revidiert hatte. Die SEC ermittelte anschließend sogar rückwirkend bis Mitte der 90er Jahre, unter anderem um herauszufinden, ob aktuelle Verwaltungsratsmitglieder (darunter der frühe Schatzamtsminister Paul O'Neill) von früheren Bilanzfälschungen gewusst haben könnten, als diese passierten. (mb)