1,3 Milliarden Euro für Headhunter

Loyalität der Manager nimmt ab

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Rund 1,3 Milliarden Euro gaben deutsche Unternehmen voriges Jahr für die Personalsuche über Headhunter aus. Dabei werden beispielsweise IT-Systementwickler immer stärker per Social Media gesucht. Und: Manager identifizieren sich immer weniger mit ihrem Arbeitgeber. Das berichtet der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU).

Die Stimmung ist gut unter Deutschlands Personalberatern: sie rechnen sich für das laufende Jahr zwischen 5,3 und 9,2 Prozent Umsatzplus aus. Das berichtet der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) aus Bonn/Berlin in der Studie "Personalberatung in Deutschland 2013/2014". Rund 200 Beratungsgesellschaften haben sich daran beteiligt.

Daraus spricht Optimismus, denn im vergangenen Jahr lag das Plus mit 3,2 Prozent nicht so hoch. In ganzen Zahlen heißt das: 2013 erwirtschafteten Personalberatungen insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro. 2012 waren es 1,55 Milliarden.

Den Löwenanteil am Umsatz hält nach wie vor die Suche und Auswahl geeigneter Führungskräfte und Experten im Auftrag von Unternehmen. 82 Prozent der Arbeit entfällt auf diesen Bereich. Umgerechnet heißt das: deutsche Unternehmen haben 2013 rund 1,3 Milliarden Euro für Headhunting ausgegeben. Auf diese Weise haben sie rund 52.500 Stellen besetzt.

Zum Vergleich: Mit Management-Diagnostik sowie der Besetzung von Beiräten und Aufsichtsräten haben Personalberater lediglich acht beziehungsweise knapp vier Prozent ihres Umsatzes hereingeholt.

Eines ist den Personalberatern aufgefallen: Manager identifizieren sich immer weniger mit den Unternehmen, für die sie arbeiten. Mehr als zwei Drittel der befragten Personalberater (68 Prozent) bestätigen, dass Loyalität und Identifikation "in den letzten Jahren merklich gesunken" sind. 71 Prozent erwarten denn auch, dass die Verweildauer des Top-Managements in deutschen Unternehmen weiter abnehmen wird.

Ohne Facebook, Xing und Co geht es nicht für Personalberater

Auch Social Media ist ein Trend, der sich in den Augen der Berater weiter verstärkt. Fast drei Viertel (74 Prozent) gehen davon aus, dass Experten wie IT-Systementwickler künftig "noch stärker" über Social Media-Kanäle gesucht werden. Ein professioneller Auftritt bei Facebook, Xing und Co sei daher heute schon ein Muss für Personalberatungen, erklären sieben von zehn Befragten.

Headhunter sollten sich nicht nur auf das telefon verlassen, sondern in Socia-Media-Kanälen aktiv und präsent sein.
Headhunter sollten sich nicht nur auf das telefon verlassen, sondern in Socia-Media-Kanälen aktiv und präsent sein.
Foto: japolia - Fotolia.com

Stichwort "Muss" für Personalberater: die Ansprüche der Kunden steigen. Sie verlangen zunehmend nach belastbaren Qualitätsstandards und erwarten eine immer schnellere Projektabwicklung. Insbesondere kleinere Personalberatungen sollten sich daher auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, denken die Studienteilnehmer. Schließlich trauen sie sich zu, ihren Klienten - auch durch Hilfe beim Besetzen von Fachpositionen - auf immer engeren Kandidatenmärkten Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Michael Heidelberger, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung, kommentiert die Studienergebnisse so: "Durch den kräftigen Auftragsschub für die deutsche Industrie und Wirtschaft im letzten Quartal 2013 und im ersten Quartal 2014 investieren die Unternehmen wieder mehr. Der Stellenmarkt folgt diesem positiven Konjunkturverlauf und wir Personalberater verspüren hierdurch eine stärkere Nachfrage nach Unterstützung bei der Personalsuche."

Unterstützung suchen vor allem Unternehmen aus Konsumgüterindustrie und Maschinenbau. Sie stehen jeweils für rund dreizehn Prozent des Berater-Umsatzes. Es folgen Chemie/Pharma und Banken beziehungsweise Kreditinstitute.

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