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Lotus Notes feiert seinen 15. Geburtstag

07.12.2004

Vor genau 15 Jahren, am 7. Dezember 1989, kam Lotus Notes 1.0 auf den Markt. Damit entstand eine Softwarekategorie, die als Groupware bekannt wurde und heute unter der Bezeichnung "Messaging & Collaboration" firmiert. Die Erfolgsgeschichte von Notes ging einher mit dem Business-Reengineering und der Dezentralisierung von Unternehmen in den 90er Jahren. Tools zur Unterstützung von Teamarbeit halfen dabei, Abteilungs- und Niederlassungsgrenzen aufzuweichen und Informationen im Enterprise zu verbreiten.

Die stärksten Veränderungen für Notes brachte das Jahr 1995: Es fiel nach der Übernahme von Lotus an die IBM und für das Web begann die kommerzielle Erschließung. Beide Ereignisse riefen Skeptiker auf den Plan, die das baldige Ende von Lotus Notes kommen sahen - zum einen, weil sie dem Moloch IBM nicht zutrauten, PC-Software erfolgreich zu vermarkten, zum anderen, weil offene Web-Standards proprietäre Groupware-Technologien verdrängen würden. Die IBM gewährte dem Notes-Team die nötige Freiheit und finanzielle Mittel, um seine Ideen umzusetzen. Innerhalb kurzer Zeit wurden die wichtigsten Internet-Standards in die Software integriert. Der Notes-Server änderte dabei seinen Namen auf Domino und wurde um einen Konverter ergänzt, der Notes-Dokumente im HTML-Format publizieren kann.

Ray Ozzie, der als Erfinder von Notes gilt, bezeichnet es in einem Interview mit der CW-Schwesterpublikation Network World als großes Versäumnis, dass er und sein Team dem einfachen Publizieren von Dokumenten zu wenig Aufmerksamkeit schenkte. In diese Lücke stieß dann der Browser. Tim Berners-Lee hatte ebenfalls 1989 die technischen Grundlagen des Web entworfen. Die Stärken von Notes liegen bis heute im hervorragenden Replikationsmechanismus, der mobiles Arbeiten ermöglicht, starken Sicherheitsfunktionen und der Anwendungsentwicklung nach dem Muster des Rapid Application Development (RAD).

Als die IBM Lotus übernahm, waren bis dahin 2,2 Millionen Lizenzen verkauft worden. Nach Bekunden von Big Blue ist die Software heute auf über 100 Millionen Arbeitsplätzen installiert. Die Company kann Notes zweifellos als Erfolgsprodukt verbuchen. Dennoch steht nach 15 Jahren die Wachablöse auf dem Programm. Notes und Domino sollen mittel- bis langfristig der Collaboration-Plattform "Lotus Workplace" weichen, die auf Websphere und DB2 beruht. Mit ihrer ungeschickten Ankündigung des Nachfolgesystems verunsicherte die IBM sowohl Anwender und Partner.

Seitdem wird das Unternehmen nicht müde zu betonen, dass es auf unbefristete Zeit Notes weiterentwickeln und unterstützen werde. Nach offiziellem Fahrplan steht die zunehmende Verflechtung mit Workplace auf der Tagesordnung, wodurch ein möglichst reibungsloser Parallelbetrieb und Umstieg gewährleistet werden soll. Aktuell befindet sich die Version 7 von Notes/Domino im Betatest. (ws)