Trojaner in Deutschland bevorzugt

Lookout bewertet Bedrohung durch Smartphone-Viren

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Anstelle des bloßen Zählens von im Umlauf befindlichen schädlichen Apps hat der Mobile-Security-Experte Lookout erstmals analysiert, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Nutzer innerhalb von sieben Tagen auf mindestens eine mobile Bedrohung stößt.
Mobile Malware: Im internationalen Vergleich Vergleich sind deutsche Nutzer relativ stark betroffen.
Mobile Malware: Im internationalen Vergleich Vergleich sind deutsche Nutzer relativ stark betroffen.
Foto: Lookout

Dem Bericht „Mobile Bedrohungen in aller Welt“ von Lookout zufolge sieht es für deutsche Smartphone-Nutzer nicht besonders gut aus. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb einer Woche auf mobile Malware zu stoßen, beträgt immerhin 2,37 Prozent – verglichen mit nur 0,78 Prozent in Japan, 2,16 Prozent in Großbritannien oder 1,66 Prozent in den USA. Nur für Indien stellte Lookout beim Vergleich dieser fünf Länder mit 5,49 Prozent ein deutlich höheres Risiko fest.

Doch nicht nur die Stärke der Bedrohung, auch die Art und Verbreitung mobiler Malware variieren stark nach den landestypischen Gegebenheiten. Wie wahrscheinlich der Kontakt mit schädlichen Apps ist, hängt dabei laut Lookout entscheidend von der jeweiligen Region und dem Nutzerverhalten ab. Demnach dominiert Adware in Indien, Premium-SMS-Betrug in Russland oder Surveillanceware in den USA.

Verbreitung von Trojanern in Deutschland am höchsten

Für Deutschland stellte Lookout fest, dass es verhältnismäßig mehr Trojaner gibt als in den anderen Ländern – Schuld daran sind den Experten zufolge speziell auf deutsche Nutzer zielende Banking-Trojaner und einigen Premium-SMS-Familien. Die Wahrscheinlichkeit, auf einen Trojaner zu treffen, liegt demnach bei 0,78 Prozent, während Lookout diesen Wert für die USA mit nur 0,24 Prozent beziffert.

Über alle Länder hinweg hat Adware mit Abstand die höchsten Erkennungsraten, berichtet Lookout. Als Erklärung verweist das Unternehmen darauf, dass es noch keine klaren Richtlinien gebe, was als akzeptable mobile Werbung gewertet wird. Zudem seien die Einnahmemöglichkeiten mit dieser aggressiven Werbeform verhältnismäßig hoch und die Monetarisierung einfach. Die Wahrscheinlichkeit eines Android-Nutzers in Deutschland, Adware auf dem Gerät installiert zu haben, liegt bei 1,20 Prozent.

Spionage-Apps nehmen an Bedeutung zu

Die Verbreitung von Spyware sowie Surveillanceware nimmt global gesehen zu. Spyware sind Programme zum Ausspionieren großer Gruppen, Surveillanceware ist zielgerichtet auf bestimmte Personen oder Organisationen. Insbesondere in den USA kommt Surveillanceware häufig vor, weil viele Überwachungs-Apps nur dort vermarktet werden. Für Deutschland liegen diese Werte mit 0,04 Prozent (Spyware) bzw. 0,28 Prozent (Surveillanceware) verhältnismäßig niedrig.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit für Einzelpersonen gering ist, auf schädliche Apps zu treffen, sieht Lookout (wenig überraschend) keinen Grund für Entwarnung. Angesichts der hohen Zahl an Smartphone- und Tablet-Nutzern seien die absoluten Zahlen durchaus relevant, so die Security-Experten.

Leider machte Lookout keine Differenzierung zwischen den verschiedenen Plattformen, eigene Lösungen bietet das Unternehmen ohnehin nur für Android und iOS an, wobei die iPhone-Version in der Funktionalität auch noch eingeschränkt ist. Android-Nutzer sollten sich die Warnungen aber auf jeden Fall zu Herzen nehmen.

Methodik

Für den Bericht hat der Sicherheitsspezialist die zwischen Jahresbeginn und Mitte Mai registrierten mobilen Bedrohungen zusammengefasst. Um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, einer App-basierenden Bedrohung ausgesetzt zu sein, sammelte Lookout dann die eindeutigen Funde von Malware bei neuen Nutzern innerhalb der ersten sieben Tage und teilte sie durch die Gesamtzahl der registrierten und aktiven Anwender.