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Longhorn-Performance: Microsoft greift in die Trickkiste

09.08.2005
Mit allerlei Tricks und Tools will Microsoft dafür sorgen, dass PCs mit Windows Vista schneller laufen und auch nicht mit der Zeit immer langsamer werden.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Windows Vista (Codename "Longhorn") soll im Vergleich zu XP erhebliche Geschwindigkeitsvorteile bringen. Die amerikanische Online-Publikation "Microsoft Watch" meldete bereits vor einiger Zeit, dass der Start von Vista angeblich nur halb so lange dauern würde wie bei seinem Vorgänger, und dass es Programme um 15 Prozent schneller laden könne. Der Bericht stützte sich auf Aussagen der Microsoft-Managerin Amy Stephan, die zudem in Aussicht stellte, dass sich Longhorn innerhalb von 15 Minuten installieren lassen wird.

Der neueste Turbolader für Vista hört nun auf den Namen "Superfetch". Windows merkt sich, welche Programme ein Benutzer besonders häufig aufruft und versucht, diese beim nächsten Systemstart automatisch in den Speicher zu laden. Die Software erscheint dann jedoch noch nicht auf dem Desktop, sondern hält sich im Hintergrund bereit und ist sofort verfügbar, wenn der Anwender auf das entsprechende Programmsymbol klickt. Das mit MS Office installierte Autostart-Tool arbeitet nach einem ähnlichen Muster.

Windows XP besitzt auch schon einen Mechanismus zur Verfolgung der Benutzeraktivitäten, um wenig genutzte Einträge im Startmenü automatisch auszublenden. Diese bei vielen Anwendern nicht sonderlich beliebte Funktion lässt sich jedoch deaktivieren. Unklar ist hingegen, ob sich die Personalisierung des Arbeitsspeichers unter Vista ebenfalls abschalten lässt. Meldungen, wonach sich diese Prefetch-Funktion auch unter Windows XP durch einen undokumentierten Eintrag in der Registrierdatenbank aktivieren lässt, sind offenbar falsch.

Microsoft verspricht neben der vorauseilenden Flutung des RAM mit Programmcode noch weitere Maßnahmen, um Vista zu beschleunigen. Die von allen bisherigen Windows-Versionen bekannte Erosion älterer Systeminstallationen soll beim XP-Nachfolger gebannt werden. So wird Vista das Dateisystems automatisch defragmentieren, wenn die Daten ein gewisses Maß an Zersplitterung erreicht haben. Eine weitere häufige Ursache für die Verlangsamung von Windows-Installationen ist eine aufgeblähte Registrierdatenbank, die zahlreiche nicht mehr benötigte Einträge enthält. Einige Tools von Drittanbietern beheben dieses Problem. Diese werden wohl auch unter Vista benötigt, Redmond beabsichtigt offenbar nicht, ein eigenes Werkzeug in das Betriebssystem zu integrieren.

Einer anderen Systembremse rückt Microsoft indes selbst zu Leibe: Viele Programme laden sich beim Systemstart in den Speicher, ohne dass sie vom Anwender in den Autostart-Ordner aufgenommen wurden. Vielmehr tragen die Installationsroutinen dieser Software entsprechende Schlüssel in die Registrierung ein. Unter Vista soll ein eigenes Performance-Tool in der Systemsteuerung die Möglichkeit bieten, solche Speicherfresser zu deaktivieren.

Neben den Aussichten auf Geschwindigkeitsverbesserungen gibt es indes auch Hinweise, dass bestimmte Funktionen zukünftig langsamer sein werden als bisher. So gibt es Befürchtungen, dass 3D-Software, die auf dem Grafikstandard OpenGL beruht, unter der neuen Windows-Architektur leiden könnte. Betroffen wären etwa CAD-Anwendungen. Die Ursache für eine Benachteiligung solche Programme könnte darin liegen, dass die Vista-Implementierung von OpenGL auf Direct X aufgesattelt wird. (ws)