Überraschende Ergebnisse

Logistikbranche Schlusslicht in Sachen Digitalisierung

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Die Fortschritte im Bereich digitale Transformation sind in den verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich. Gut voran kommen - wenig überraschend - die ITK-Unternehmen, aber auch die Finanzdienstleiter. Schlusslicht im Ranking der zehn untersuchten Wirtschaftssektoren sind die Logistikunternehmen.

Firmen der Informations- und Kommunikationstechnologie weisen einen deutlichen Vorsprung auf den Bereich der Finanzdienstleistungen auf. Mit ebenfalls großem Abstand folgen die Medien- und Unterhaltungsbranche. Im Mittelfeld des Rankings fallen die Unterschiede kleiner aus. So besteht zwischen den Branchen Elektronik, Automotive und Energieversorger auf den Plätzen vier bis sechs nur eine geringfügige Differenz.

Digitalisierung nach Branchen: Die Logistiker haben den größten Nachholbedarf.
Digitalisierung nach Branchen: Die Logistiker haben den größten Nachholbedarf.
Foto: d.velop

Unter den schlechter platzierten Unternehmen werden die Unterschiede wieder größer. Ausgerechnet die Logistik, die aufgrund von Aufgaben wie Fracht-, Lager- oder Routenoptimierung großen Bedarf hätte, bildet das Schlusslicht. Davor rangieren Pharma/Chemie, der Maschinen- und Anlagenbau sowie der Handel.

Verantwortung ist selten klar definiert

Die Erhebung wurde vom digital intelligence institute (dii) im Auftrag des ECM-Spezialisten d.velopvorgenommen. Quintessenz ist, dass die deutsche Wirtschaft sich derdigitalen Herausforderung eher zurückhaltend stellt. Aktuell misst demnach nur jedes dritte der 1143 befragten Unternehmen der digitalen Transformation eine elementare Bedeutung bei. Die strategische Verantwortung für dieses Thema ist nur selten klar definiert.

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Viele Prozesse basieren noch immer auf Papierdokumenten. Nur in jedem dritten Unternehmen sind die meisten Geschäftsprozesse frei von Medienbrüchen, so dass eine parallele Nutzung von digitalen und papierbasierten Informationen erfolgen kann. "Alle Geschäftsprozesse, die sich noch des Mediums Papier bedienen, sind weder kompatibel mit den digitalen Interaktionsformen noch ausreichend standardisierbar und automatisierbar", warnt d.velop-Vorstand Mario Dönnebrink. Wo digital optimierte Prozesse auf Papier treffen, sei die Durchgängigkeit einer digitalen Transformation gestört.

Mäßige Investionsbereitschaft

Wie die Marktforscher behaupten, ist das Engagement für digitale Geschäftsmodelle nicht sonderlich ausgeprägt. Demnach will nur jedes siebte Unternehmen "offensiv und mit hoher Priorität" in diese Richtung aktiv werden. Nur in jedem vierten Fall sind ambitionierte Investitionen geplant, um den digitalen Wandel anzugehen. Mehrheitlich wollen die Firmen somit nur in einem geringfügigen Umfang zusätzlich in digitale Lösungen investieren oder haben derzeit hierfür noch gar kein Budget vorgesehen.

Der Untersuchung liegt mit dem Digital Process Index (DPI) eine vom digital intelligence institute entwickelte Methode zugrunde, die den digitalen Reifegrad der Geschäfts- und Produktionsprozesse in den Unternehmen analysiert. Der DPI setzt sich aus den gewichteten Ergebnissen von insgesamt zehn Parametern zusammen. Die umfangreiche Studie "Branchenatlas der Digitalisierung" kann hier kostenfrei bestellt werden.