Partner aus China

Loewe schwört trotz Krise auf Luxus-Geschäftsmodell

31.07.2013
Der traditionsreiche deutsche TV-Hersteller Loewe kämpft ums Überleben. Die Firmenspitze baut auf einen neuen Partner aus China. Allerdings wird immer noch ein rettender Investor gesucht.

"Ist das Ihr Wochen- oder Monatsbedarf?", wollte ein asiatischer Teilelieferant wissen, als der deutsche TV-Spezialist Loewe eigentlich seine Jahresbestellung abliefern wollte. Die Anekdote, die Finanzchef Rolf Rickmeyer am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin zum Besten gab, illustriert die Situation, in der sich der Fernsehpionier aus Kronach befindet.

Der Markt wird von asiatischen Industrieriesen wie Samsung oder LG beherrscht. Das kleine Loewe-Boot segelte mit seinem Fokus auf das Premiumgeschäft für teure Geräte lange dazwischen, doch ein Einbruch des Marktes im vergangenen Jahr war ohne die finanziellen Polster der Größen zuviel: Loewe stürzte in eine Finanz- und Liquiditätskrise, musste vor wenigen Wochen Gläubigerschutz suchen und hat noch knapp drei Monate Zeit, um einen rettenden Investor zu finden.

Loewe setzt auch für die Zukunft auf den Luxusmarkt - ob das gutgeht?
Loewe setzt auch für die Zukunft auf den Luxusmarkt - ob das gutgeht?
Foto: Loewe

Das Aktionärstreffen war die Chance für die Loewe-Führung, eine Vision für den Weg aus der Krise zu präsentieren. Ihre Botschaft: Loewe hat eine Zukunft - und die soll nach wie vor im Luxusmarkt liegen. Ganz nach dem Motto "Augen zu und durch" soll es aber nicht gehen, wie der neue Chef Matthias Harsch andeutete.

Loewe werde sich stärker auf das Segment "Premium-Einsteiger" fokussieren - letztlich eine andere Art zu sagen, dass man mehr günstige Geräte im Angebot haben wird. Und die dürften statt im fränkischen Kronach eher in Asien gebaut werden, zum Beispiel beim neuen chinesischen Partner Hisense. Das deutsche Werk solle aber eine "Manufaktur" für die hochpreisigen Serien mit individuell anpassbarem Design bleiben, versicherte Harsch.

Loewe geriet gleich von mehreren Seiten in die Zange. Außer dem allgemeinen Absatzeinbruch wirkten sich auch Entscheidungen des Managements negativ aus: So wagte sich Loewe nicht in Wachstumsmärkte wie China und setzte hartnäckig auf den Fachhandel als zentralen Vertriebskanal. Mit verheerenden Folgen. In Deutschland und Europa waren immer weniger Kunden bereit, den Loewe-Aufpreis zu zahlen.

In manchen Nachbarländern gibt es inzwischen überhaupt keinen Fachhandel mehr, wie Rickmeyer feststellte. "Das Rückgrat des Geschäfts bricht uns gerade weg." Jetzt verhandelt Loewe mit bisher gemiedenen Handelsriesen wie Media-Markt und Saturn. Sie hat Loewe auch bitter nötig, wie das vergangene Weihnachtsgeschäft zeigte: Das Unternehmen baute hoffnungsvoll Lagerbestände auf und blieb dann darauf sitzen. "Das hat uns fast das Genick gebrochen", konstatierte Sanierer Rickmeyer nüchtern.

Trotz der "dramatischen Zahlen" sei im Luxusmarkt weiter Musik drin, sagte Harsch. "Die Mitte bricht weg, in Zukunft gibt es billig oder premium." In Europa werde rund jeder zehnte Fernseher in dem Luxus-Segment verkauft und von diesem Markt will Loewe etwa zehn Prozent besetzen, es geht um rund 800.000 Geräte pro Jahr.

"Ansonsten gibt es für Loewe keine Daseinsberechtigung." Die Partnerschaft mit dem großen Hersteller Hisense soll die Tür zum chinesischen Markt öffnen und auch mehr Gewicht beim Einkauf bringen. Punkten will Harsch aber verstärkt auch mit Software, die eine innovative Bedienung des Fernsehers bieten soll. Hier trifft Loewe aber schon auf die nächsten Industrieriesen: Denn Schwergewichte der Internet-Branche wie Google, Apple, Microsoft oder Intel arbeiten gerade mit Hochdruck daran, genau auf diesem Feld den TV-Konsum neu zu erfinden. Vergangenes Jahr wurde bereits über einen Kauf von Loewe durch Apple spekuliert.

Harsch zeigt sich dennoch zuversichtlich, einen Investor zu finden: Am Geld werde die Rettung nicht scheitern, wenn, dann an Ideen, sagte er. Nach der Partnerschaft mit Hisense dürfte allerdings dafür eher ein Finanzinvestor denn ein Branchenriese in Frage kommen. (dpa/tc)