Made in Kronach

Loewe kämpft gegen die roten Zahlen

19.03.2013
Elektronische Design-Produkte aus Kronach - für Loewe steht das Geschäftskonzept "Made in Germany" auf dem Prüfstand. Fest steht: Fast jeder fünfte Mitarbeiter verliert seinen Job. Gibt es einen Weg aus der Krise?
Loewe-Produkte sind fraglos edel - aber die Verbraucher schauen halt auf den Preis...
Loewe-Produkte sind fraglos edel - aber die Verbraucher schauen halt auf den Preis...
Foto: Loewe

"Made in Germany" - so wirbt der oberfränkische TV-Hersteller Loewe für seine Produkte. Am Standort Kronach produziert das Unternehmen moderne Flachbildfernseher für das Premium-Segment. Doch das Geschäftskonzept steht auf dem Prüfstand - der Preisdruck ist hoch und die Konkurrenz aus Asien mächtig. Das Unternehmen steckt in den roten Zahlen. 2012 lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bei rund minus 29 Millionen Euro. Wie es konkret weitergehen soll, dürfte Loewe an diesem Donnerstag (21. März) bei seiner Bilanz-Pressekonferenz in München erläutern.

Schon jetzt steht fest: Fast jeder Fünfte der 1000 in Kronach beschäftigten Mitarbeiter muss gehen. Die verbleibende Belegschaft verzichtet auf bis zu zehn Prozent ihres Gehalts. Ob das der definitiv rettende Befreiungsschlag sein wird? "Ich gebe zu: Das Prinzip Hoffnung spielt hier eine große Rolle", sagt Jürgen Apfel von der IG Metall. Aber die Mitarbeiter seien bereit, das Sanierungskonzept mitzutragen. "Die Leute ziehen mit." Die Arbeitsplätze bei Loewe seien für die Region sehr wichtig. Der Produktionsstandort müsse erhalten bleiben, appelliert Apfel.

Loewe steckt mitten in einem umfangreichen strategischen Umbau. Durch die Maßnahmen hat sich Loewe auch wieder Luft verschafft. Laut Firmenmitteilung bekommt das Unternehmen bis mindestens Frühjahr 2014 Geld von den Banken. Investieren will man vor allem in neue Technologien und in bessere Audioqualität der Geräte. Der neue Vorstandschef Matthias Harsch hat bereits angekündigt, den Bereich Audio weiter auszubauen. Ein drahtloses Audiosystem soll im April auf den Markt kommen. Die TV-Serien wurden von fünf auf vier Modell-Familien verschlankt.

Auch Loewe leidet unter dem erbitterten Preiskampf, der in der Branche tobt, und dem anhaltenden Preisverfall für moderne Flachbildfernseher. Die asiatische Konkurrenz wie Samsung produziert günstig - und bedient den breiten Massenmarkt. Loewes Konzept, sich als Premium-Hersteller zu positionieren, hat sich zuletzt nicht im Geschäftserfolg niedergeschlagen.

Branchenexperten gehen davon aus, dass sich die Wachstumskurve bei Flachbildfernsehern in den kommenden Jahren ohnehin nicht halten lässt. In vielen deutschen Wohnzimmern stehen bereits moderne Flachbildfernseher. Der erfolgsverwöhnte Markt stagniert derzeit: Rund 9,6 Millionen Flachbildfernseher wurden in Deutschland nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) im vergangenen Jahr verkauft - 2011 waren es sogar einige Exemplare mehr.

Und nicht einmal der Fußball macht Loewe Hoffnung: 2013 steht kein Großereignis an, das den Verkauf von neuen Fernsehgeräten ankurbeln könnte. Erst 2014 wird bei der WM in Brasilien wieder um einen großen Titel gespielt.

Immer wieder branden Gerüchte auf, Apple interessiere sich für Loewe und könnte mit dem Partner aus Kronach die eigenen Fernseh-Pläne verwirklichen. Doch Loewe dementiert regelmäßig mögliche Verbindungen zum iPad-Hersteller. (dpa/tc)