Die Computerclub-Wolfgangs

Löten gegen den Fachkräftemangel

Simon verantwortet auf Computerwoche online redaktionell leitend überwiegend alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz. Er entwickelt darüber hinaus innovative Darstellungsformate, beschäftigt sich besonders gerne mit Datenanalyse und -visualisierung und steht für Reportagen und Interviews vor der Kamera. Außerdem betreut der studierte Media Producer den täglichen Früh-Newsletter der Computerwoche. Aufgaben in der Traffic- und Keyword-Analyse, dem Content Management sowie die inoffizielle Funktion "redaktioneller Fußballexperte" runden sein Profil ab.
Wolfgang Rudolph und Wolfgang Back sind waschechte IT-Pioniere. Gemeinsam moderierten sie jahrzehntelang den WDR Computerclub, der jetzt als "CCzwei" im Web seine Wiederauferstehung feiert.

CW: Graue Panther und komplexe Technik - wie passt das zusammen?

RUDOLPH: Wir haben viele Zuschauer und Zuhörer, die 50, 60, 70 Jahre alt sind. Die sagen sich: Jetzt gehe ich in Rente, jetzt kaufe ich mir einen Computer und fange wieder an zu basteln, jetzt packe ich den Lötkolben aus. Die Gruppe dieser Grauen Panther wird immer größer. Ich finde es super, dass es immer mehr ältere Mitmenschen gibt, die ihre eigene Website machen, sich mit Computern beschäftigen und die Technik selbst wieder in die Hand nehmen - Männer wie Frauen. Der "Technik-Opa", der keine Berührungsängste hat, ist auch ein Weg gegen das ständige Wehklagen über den Fachkräftemangel. Wir müssen wieder dahinkommen, dass der Großvater seinen Enkeln die Technik erklärt und sein wertvolles Wissen weitergibt, nicht umgekehrt.

BACK: Das klingt so, als würde unsere Zuhörerschaft nur aus älteren Semestern bestehen. Die gibt es natürlich in großer Zahl. Doch wir konnten mit der Sendung im Internet den Spagat schaffen und neue junge Zuhörer gewinnen. Wir bekamen schon E-Mails von 13-Jährigen, die unsere Sendung ganz toll finden. Mein alter Arbeitgeben WDR wäre froh, wenn er eine solche demographische Entwicklung hätte.

CW: Wie kam es zum Comeback, nachdem der WDR Sie 2003 abgesetzt hatte?

Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph (r.) im eigenen Tonstudio.
Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph (r.) im eigenen Tonstudio.

RUDOLPH: In den folgenden Jahren sind wir von Sender zu Sender gereist, um unser Format woanders unterzubringen. Alle hatten Interesse, aber alle wollten nur Schickimicki oder Klickibunti - schön verpackte Sendungen ohne Informationsgehalt. Im Juli 2006 sind Wolfgang Back und Manfred Kloiber, unser Mann im Hintergrund, dann von einem Termin bei der Telekom zurückgekommen und haben mich noch vom Auto aus angerufen und gefragt, ob wir das Ganze nicht einfach selbst in die Hand nehmen wollten. Das war mittwochs; am nächsten Montag haben wir schon den ersten Audiocast fürs Web produziert. Ohne große Ankündigung hatten wir damit gleich 115 000 Downloads am nächsten Tag. Ein Jahr später sind wir dann zu NRW.TV gekommen, wo wir nun jeden vorletzten Donnerstag im Monat um 20.30 Uhr eine Stunde zusätzlich zu den wöchentlichen Audioproduktionen Fernsehen machen.

BACK: Diese 115.000 Downloads auf Anhieb waren nur möglich, weil wir über 22 Jahre hinweg unsere Stammzuschauer angesammelt hatten. Dann kam die Meldung bei "Heise online", dass die Wolfgangs wieder aktiv sind und es sprach sich rund wie ein Lauffeuer. Wir hatten noch keine eigene E-Mailadresse und keinen Internetauftritt, weil alles so schnell umgesetzt wurde. Dennoch meldeten sich viele Zuhörer auf unseren eigenen privaten Homepages und gratulierten uns spontan zu unserem Comeback. Da saß ich über mancher Mail und musste mir die Tränen wegwischen.

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