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Lob und Tadel für SAPs ESA-Strategie

12.10.2005
Auf der Tagung der deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG) in Bremen gab Gartner-Experte Peter Wesche eine Bewertung der Enterprise Services Architecture (ESA) ab.

BREMEN (COMPUTERWOCHE) - Auf der Tagung der deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG) in Bremen gab Gartner-Experte Peter Wesche eine Bewertung der Enterprise Services Architecture (ESA) ab. In seinem Vortrag unter dem Titel "ESA - Evolution oder Zumutung" zählte er SAPs Angebot einer Web-Services-Plattform zu den "Marktführern". Dort befänden sich auch Microsoft, IBM, Tibco und Oracle. Viel dazu beigetragen habe der Entschluss des Softwarehauses, mit der Business Process Platform die Verschmelzung von Infrastruktur und Applikationen (von SAP-Strategen auch als "Applitecture" bezeichnet) in Angriff zu nehmen. Netweaver sei zwar unter den am Markt befindlichen Produkten der Newcomer, habe aber schon eine beachtliche installierte Basis.

Marktführer ist SAP laut Gartner bei Composite Applications, also Programmen, die sich der Funktionen verschiedener Anwendungen bedienen, um neue Geschäftsprozesse abzuwickeln. Allerdings beurteilt Wesche das "Composite Application Framework", mit der solche Composites von Kunden oder Partnern realisiert werden können, als noch nicht ganz marktreif. Dies gelte auch für die anderen "Netweaver"-Komponenten Master Data Management (hier sei die Entwicklung des Release 3.0 abgebrochen worden) und Business Process Management.

Am negativsten schätzt Wesche jedoch das "Enterprise Services Repository" ein, jenen Speicher, in dem Web-Services abgelegt werden sollen, um damit neue Geschäftsprozesse modellieren zu können. Hier zeigten sich noch viele Unklarheiten. Es sei nicht ersichtlich, was derzeit an Services vorhanden ist. Ferner fehlten Produkt- oder Versionsbezeichnungen. "Es ist unklar, ob SAP hier auf dem richtigen Weg ist", so der Gartner-Mann. Bisher könne der Hersteller bestenfalls einen Prototyp vorweisen. Das Repository soll 2007 verfügbar sein.

Grundsätzlich liege die SAP mit ihrer Business Process Platform aber richtig. Das Unternehmen müsse jedoch aufpassen, die Entwicklungsgeschwindigkeit nicht zu übertreiben. "SAP ist kurz davor, sich selbst zu überfordern."

Zu viel hat SAP nach Wesches Ansicht schon jetzt den Kunden zugemutet. Er kritisierte zudem die Kommunikation mit den Anwendern. Der Hersteller habe ESA und Mysap ERP als Revolution dargestellt, was viel Verwirrung gestiftet habe. Unternehmen waren sich nicht im Klaren, warum sie auf Mysap ERP umsteigen sollen. "Ein Wechsel von R/3 auf Mysap ERP ist nur ein Releasewechsel." Die Weiterentwicklung des ERP-Systems bezeichnete Wesche als "komplett zerlegtes R/3". Dieser Schritt soll mit Mysap ERP 2007 vollzogen sein. Dieses Produkt werde den Anwendern vermutlich in der zweiten Jahreshälfte 2008 zur Verfügung stehen.

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