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Lizenzchaos kostet richtig Geld

18.06.2007
Viele Unternehmen schlampen beim Lizenz-Management, stellten die Marktforscher der Experton Group fest. Schuld daran sind Ängste vor einer Fehllizenzierung sowie die vielfach komplizierten Metriken der Softwareanbieter.

"Der Lizenzdschungel nimmt stetig zu", stellt Axel Oppermann, Advisor bei der Experton Group fest. Anwenderunternehmen müssten im Rahmen ihrer Softwareplanungen mittlerweile eine ganze Reihe von Variablen im Blick behalten. Neben den unterschiedlichen Lizenz- und Wartungsmodellen der Hersteller sei dies die zahlreichen verschiedenen Versionen einzelner Softwareprodukte. "Es ist mittlerweile keine Seltenheit, dass für ein Basisprodukt – etwa eine Office-Lösung – fünf bis sieben unterschiedliche Varianten angeboten werden." Diese Bundling-Ansätze machten einen Preisvergleich vielfach unmöglich. Für die Anbieter sei das Koppeln verschiedener Softwarebausteine jedoch ein probates Mittel, neue Komponenten und Module in den Markt zu tragen. Beim Kunden stehe dies allerdings einer bedarfsgerechten Softwarebeschaffung oft im Weg. "Die Pakete sind häufig so zusammengestellt, dass nicht benötigte Module mit erworben werden müssen", bemängelt Oppermann. Somit werde eine optimale Lizenzversorgung erschwert (siehe auch: Ray Lane: Softwarelizenzen und Wartung sind überholt).

Das macht sich auch in den Börsen der einzelnen Unternehmen bemerkbar. Je nach Branche und Anzahl der Mitarbeiter machen die Ausgaben für Software zwischen 20 und 42 Prozent des gesamten IT-Budgets aus, hat die Experton Group ermittelt (siehe auch: Lizenzen sind am teuersten). Angesichts dieses Postens sei es umso erstaunlicher, dass die meisten das Thema Lizenz-Management stiefmütterlich behandelten. Viele Firmenlenker seien nicht in der Lage, eine Antwort auf den aktuellen und künftigen Lizenzbedarf zu geben.

Neben den komplexen Lizenzmetriken der Anbieter, spielt dabei auch die Angst vor einer Fehllizenzierung eine große Rolle. Viele Verantwortliche gingen Oppermann zufolge insgeheim von einer Unterlizenzierung ihres Unternehmens aus (siehe auch: Vorsicht – die Auditoren kommen). Dabei ist oft das Gegenteil der Fall. In 25 bis 35 Prozent der Firmen lasse sich eine Überlizenzierung beobachten.

Das könnten die Anwender mittels eines funktionierenden Lizenz-Managements verhindern, mahnt der Experton-Analyst. Die Firmen müssten allerdings strategisch an ein solches Projekt herangehen (siehe auch: Lizenz-Management schützt vor Strafe). Es gelte, den Softwarebestand eines Unternehmens über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg zu verwalten, zu kontrollieren und zu schützen. Unternehmen jeder Größenordnung könnten so ihren Aufwand für Softwarebeschaffungen zwischen zehn und 15 Prozent reduzieren.

Oppermann empfiehlt den Anwendern ein Stufenmodell, um das Vorhaben Lizenz-Management zu stemmen. Neben der Erfassung der installierten Software sowie des vertraglichen Lizenzbestandes sei insbesondere die Compliance-Prüfung ein wichtiges Element. Dabei werde überprüft, ob der technisch installierte Softwarebestand dem kaufmännisch-vertraglichen Bestand entspricht. Auf dieser Basis lasse sich dann eine Bedarfsplanung beziehungsweise ein Beschaffungskonzept entwickeln. Das dürfe jedoch nicht allein der IT-Abteilung aufgebürdet werden, mahnt der Analyst. Auch die kaufmännisch Verantwortlichen sowie die Geschäftsleitung müssten in diesen Prozess eingebunden werden. Nur auf Basis der geplanten Unternehmensentwicklung lasse sich der künftige Softwarebedarf kalkulieren und entsprechend die Lizenzbeschaffung planen. (ba)