Lizenzärger der Anwender ist oft hausgemacht

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Weniger die hohen Softwarekosten als vielmehr die komplexen und teilweise verworrenen Lizenzbestimmungen sind es, die Anwender verunsichern und Ärger hervorrufen. Das berichten die Marktforscher von AMR Research, die 300 IT- und Business-Manager befragt haben. Allerdings lässt sich die Schuld an der allgemeinen Irritation keineswegs allein den Softwareanbietern zuschreiben. Es sind die Kunden selbst, die je nach wirtschaftlicher Stabilität und Branche unterschiedliche Lizenzverfahren favorisieren.
Das Interesse an On-demand- beziehungsweise nutzungsabhängigen Lizenzmodellen steigt.
Das Interesse an On-demand- beziehungsweise nutzungsabhängigen Lizenzmodellen steigt.

Eine nutzungsabhängige Lizenzierung wird beispielsweise von Firmen bevorzugt, die sich in zyklisch schwankenden Märkten bewegen oder sehr schnell wachsen. Stabile Unternehmen mit vorhersagbarer Umsatzentwicklung setzen dagegen auf Unternehmenslizenzen, die besser kalkulierbar sind. AMR Research fand außerdem heraus, dass solche stabilen Lizenzvereinbarungen vor allem von Chief Information Officers (CIOs) angestrebt werden, die damit ihre Planung und Budgetierung zu erleichtern hoffen. Bereichs- oder Abteilungsleiter dagegen legen Wert darauf, ausschließlich nach Nutzung abzurechnen und möglichst nicht durch hohe Umlagen in Kostennöte gebracht zu werden.

Laut AMR macht es keinen Sinn für Softwarehäuser, nur auf ein einziges Lizenzmodell zu setzen. Kunden sollten die Wahl zwischen unterschiedlichen Verfahren haben und dabei ihre Vorlieben, ihre Unternehmenskultur sowie den Reifegrad ihrer Implementierung berücksichtigen können. Dabei sollten die Anbieter aber den Fehler vermeiden, verschiedene Lizenzstrukturen und -metriken für einzelne Module integrierter Pakete zu verlangen. "Es gibt keinen Sinn für einen ERP-Anbieter, der ebenso CRM-Produkte verkauft, unterschiedliche Lizenzmodelle für beide Produktwelten einzuführen", betonen die AMR-Autoren Jim Shepherd und Karen Carter.

On Demand ist im Kommen

Wichtigstes Zukunftsthema im Lizenzumfeld ist der Trend zu "On-demand"-Abrechnungsmodellen. Derzeit bedienen sich neun Prozent der Befragten dieses Verfahrens, und nur drei Prozent aller Umsätze mit Enterprise-Anwendungen basieren auf diesem Mietmodell. Doch 26 Prozent der von AMR Befragten sagen, sie planen entsprechende Schritte. Selbst von den großen ERP-Anwendern, die jahrzehntelang nach dem traditionellen Verfahren nach User-Seats gezahlt haben, streben derzeit 14 Prozent einen Wechsel auf ein nutzungsbasierendes Modell an.