Livescribe 3 Smartpen

Livescribe nimmt den dritten Anlauf

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Seit Jahren versucht Livescribe, seinen Smartpens zum richtig großen Durchbruch zu verhelfen. Bislang fristen die Geräte, die handschriftliche Notizen digitalisieren, allerdings eher ein Nischendasein. Der neue "Livescribe 3 Smartpen" soll und könnte das ändern.

Warum? Livescribe verabschiedet sich endgültig davon, eine Plattform zu schaffen. Stattdessen wird der Smartpen nun zum Begleiter für Plattformen, die Leute eh schon mit sich herumtragen - zum Start ist das iOS. Die "Intelligenz" wandert aus dem Stift in die neue App Livescribe+, die viele schlaue Features von iOS 7 nutzt, statt zu versuchen, das Rad neu zu erfinden.

Livescribe 3 Smartpen
Livescribe 3 Smartpen
Foto: Livescribe

Der Livescribe 3 ist zwar immer noch ziemlich dick, sieht aber jetzt deutlich edler aus als die diversen Vorgängermodelle. Eigentlich ein bisschen wie ein Waterman-Füllhalter, obwohl beim Design irgendwelche Firmen geholfen haben, die ansonsten wohl auch für Lamy arbeiten. Neumodisch fällt eigentlich nur die kleine LED im oberen Ende des Clips auf, die je nach Funktion blau, grün oder rot leuchtet.

Der neue Smartpen enthält übrigens weder Mikrofon noch Lautsprecher, sondern nutzt zum Aufnehmen von Sprachnotizen die im iPad oder iPhone. Es gibt auch kein Display mehr im Stift, die Einstellungen und sonstige Informationen kann man über Livescribe+ (eine Version für Android soll übrigens in absehbarer Zeit folgen) abfragen. Mit der kapazitativen Gummispitze am oberen Stiftende kann man auf dem Tablet schreiben; darunter verbergen sich der Micro-USB-Anschluss und ein Reset-Löchlein.

Mit dem iPad oder iPhone verbindet sich der Livescribe 3 als Smart-Bluetooth-Gerät über Bluetooth 4.0. Smart Bluetooth braucht kaum Strom; laut Livescribe schafft der neue Smartpen bis zu 14 Stunden Schreibarbeit bei bestehender Verbindung (da ist der Akku vom Tablet oder Smartphone vorher leer). Der Pen speichert bis zu 20.000 Seiten Notizen. Das funktioniert auch ohne Bluetooth-Verbindung; beim nächsten Pairing wird automatisch mit Livescribe+ synchronisiert.

Was man schreibt oder zeichnet, erscheint bereits nach wenige Sekunden in der Feed-Ansicht von Livescribe+. Die App teilt die Notizen dabei in Schnipsel auf. Jeder einzelne davon lässt sich mit einem Fingerwisch in Text umwandeln. Der lässt sich verwenden, um daraus Erinnerungen, Kontakte, Kalendereinträge oder Notizen zu machen. URLs, E-Mail-Adressen oder Ortsangaben erkennt Livescribe+ beziehungsweise das iOS automatisch und kann sie an Safari, Mail und Karten weiterreichen.

Livescribe 3 mit Livescribe+-App
Livescribe 3 mit Livescribe+-App
Foto: Livescribe

Die neue Livescribe-App nutzt für die Handschrifterkennung Technik von Vision Objects, die über herkömmliche OCR deutlich hinausgeht. Sie macht damit bereits die handschriftlichen Notizen im Volltext durchsuchbar.

Mehrere Schnipsel kann Livescribe+ übrigens zu einem verbinden, das umgekehrte Trennen ist zumindest in der ersten Version aber noch nicht möglich. Außerdem kann man externe Bilder und Texte an die Smartpen-Notizen anhängen. Eine oder mehrere Seite(n) aus dem Notizbuch kann man (auch mit eingebettetem Audio als "Pencast") als PDF teilen oder an Apps weitergeben, die mit diesem Format umgehen können.

Die Digitalisierung der Handschrift erledigt auch der Livescribe 3 letztlich mit der guten alten Schwedentechnik von Anoto. Das heißt um das spezielle Pünktchenpapier kommt man auch weiterhin nicht herum, sprich man muss also auch künftig die Livescribe-Verbauchsmaterialien kaufen, will man das Papier nicht selbst ausdrucken. Das Papier in den Notizbüchern für den Livescribe 3 hat übrigens weniger "Funktionen" als das früherer Smartpens, da diese für den neuen Stift ja in die App verlagert wurden.

So sieht die Verpackung des Livescribe 3 im Handel aus.
So sieht die Verpackung des Livescribe 3 im Handel aus.
Foto: Livescribe

Die Normalausführung des Livescribe 3 kostet 150 Euro und wird mit 50-seitigem Starter-Notebook und Ladekabel geliefert. Für 50 Euro mehr gibt es exklusiv bei Apple das "Pro"-Paket mit etwas dunklerer Verchromung des Stifts, 100-seitigem Notebook im Ledereinband, einer Ersatzmine und einem Jahr Evernote Premium. Livescribe+ steht ab sofort im iTunes Store zum Herunterladen bereit, die Smartpens sind ab 5. November im bei Apple, Amazon.de und Gravis erhältlich. Ach ja: Die bisherigen Smartpens Livescribe Echo (USB) und Sky Wifi (Drahtlos-Sync mit Evernote) bleiben vorerst weiter im Programm.

Hinweis: Der Artikel basiert im Wesentlichen auf einem privaten Blogpost des Autors.