Literatur im Netz: Am Anfang war der Hypertext

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Bücher gehören zu den wenigen Dingen, die man nicht mehr verbessern kann, merkte einst Umberto Eco an. Angesichts des Internets könnte es ein vorschnelles Urteil gewesen sein - zumindest mittelfristig. Denn die Auswirkungen des Web auf die Literatur lassen sich noch gar nicht abschätzen.

Zum Ausklang des vergangenen Jahrtausends wurde ein Mann geehrt, dessen Erkenntnisse die Welt nachhaltig verändert und entscheidend zur Sozialisation der breiten Massen beigetragen haben: "Man of the Millennium" wurde Johannes Gutenberg, Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Nun verfügt die Welt über ein weiteres Medium, das Internet. Konnten durch Gutenberg wesentlich mehr Menschen lesen lernen, ist es durch das Web wesentlich einfacher geworden, Geschriebenes zu publizieren.

Neue Formen literarischen Ausdrucks

Das Internet ist mehr als ein zusätzlicher Vertriebskanal für Schriftstücke: So sind in den letzten Jahren neue Formen der Literatur entstanden, bei denen Autoren etwa gemeinsam an einem oder mehreren Texten arbeiten. Rezipienten lesen die Werke nicht mehr linear, sondern sollen die Möglichkeiten der Hyperlinks ausnutzen. Zwar sind die ersten Experimente in der Vergangenheit nicht immer "erfolgreich" verlaufen, für die Zukunft lassen die Ansätze jedoch hoffen.

Schließlich wurde die Gutenberg-Bibel auch nicht an einem Tag gedruckt. Damit die ersten Schritte junger Schriftsteller nicht in einem Debakel enden, hat das Autorenforum Tipps und Informationen zusammengetragen ("Behalte einen gleichen Stil, Ton und Blickwinkel bei."). Angebracht scheint die Hilfestellung vor allem beim Apostroph zu sein, dem Lieblingsfehler der Deutschen ("Susi´s Imbis´s"). Der literarische Tisch im Internet ist also reichlich gedeckt.

Auch für den, der weder schreiben noch kaufen will, bietet das Web einen unerschöpflichen Fundus an Informationen rund um die Literatur. Wer etwa kurz vor einer Vernissage/Premierenfeier seine Smalltalk-Fähigkeit aufbohren muss, sollte beim Perlentaucher vorbeischauen. Der kostenlose Clipping-Service wühlt sich täglich durch deutschsprachige Feuilletons und internationale Magazine, fasst deren Erkenntnisse zusammen und verlinkt auf ausgewählte komplette Texte. Dazu zählen auch aktuelle Rezensionen.

Bei der Symbiose von Text und Hypertext geht es erst in zweiter Linie um die Beschaffung literarischer Meisterwerke (und Gesellenstücke) auf Papier. Stellvertretend für die Anbieter traditioneller Medien stehen das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) und die ebenfalls antiquarisch orientierten Abebooks. Hier findet sich so gut wie alles, was einmal unter eine Druckerpresse geraten ist. Auf schwarzen Brettern kann man Anfragen hinterlassen oder schauen, was sich die restliche Welt gerne in das Regal stellen würde. Zudem tragen die bibliophilen Initiatoren weltweite Termine von Auktionen, Buchmessen und antiquarischen Veranstaltungen zusammen. 

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