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Lion Bioscience muss Bilanzen korrigieren

04.02.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Lion Bioscience AG sorgt erneut für Sorgenfalten bei den Anlegern: Das lange Zeit als "Microsoft der Biotech-Branche" gepriesene Unternehmen kündigte am heutigen Mittwoch eine Berichtigung früherer Bilanzen an und senkte in diesem Zusammenhang seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2003/2004. Als Konsequenz sank der Kurs des einstigen Börsen-Highflyers bis 16 Uhr um fast fünf Prozent auf 3,04 Euro. Kurz nach dem Börsengang im Jahr 2000 war das Papier teilweise bis zu 120 Euro wert.

Wie das Heidelberger Bioinformatik-Unternehmen heute mitteilte, werden die ausgewiesenen Einnahmen in den Geschäftsjahren 2000/2001 und 2001/2002 wegen einer Änderung der Bilanzierungspraxis voraussichtlich um zwei Millionen, beziehungsweise sieben Millionen Euro sinken. Auch die Ergebnisse würden sich verschlechtern.

Lion zufolge wurde im Rahmen einer internen Überprüfung durch den Wirtschaftsprüfer Ernst & Young ein Korrekturbedarf bei der Ausweisung von Softwarelizenzen mit einer Laufzeit von einem Jahr und mehr festgestellt. So sehen bestimmte Bilanzierungsregeln des Dachverbands der US-Wirtschaftsprüfer (AICPA) vor, dass die Lizenzerlöse nicht - wie geschehen - zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und der Lieferung verbucht, sondern über die gesamte Laufzeit verteilt werden. Die Summe der betroffenen Lizenzeinnahmen bleibe jedoch - abgesehen von Wechselkurseinflüssen - unverändert, so Lion.

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet der Anbieter von Softwarelösungen für die biochemische Wirkstoffforschung nun nur noch mit Einnahmen zwischen 19 und 20 Millionen Euro. So werde der Umsatz von der Berichtigung zwar positiv beeinflusst, aber von der schwierigen Branchensituation, dem schwachen Dollar und der verspäteten Einführung von neuen Produkten belastet. Bereits im November 2003 hatte Lion sein Umsatzziel von 27,5 Millionen Euro auf 20 Millionen Euro gesenkt. Der Nettoverlust soll nun 22 bis 25 Millionen Euro betragen. Zum Vergleich: Im vorangegangenen Geschäftsjahr 2002/2003 hatte das Unternehmen einen Fehlbetrag von 152,5 Millionen Euro bei 29,7 Millionen Euro Umsatz verbucht.

Immerhin gelang es den Heidelbergern, ihren Nettoverlust im Ende Dezember abgelaufenen dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 22 Millionen auf voraussichtlich 6,1 Millionen Euro zu senken. Endgültige Quartalszahlen will Lion bis Ende des Monats präsentieren.

Das 1997 gegründete Unternehmen bietet Software zur Sammlung und Aufbereitung von Daten für die Medikamentenforschung an. Lion war ursprünglich selbst im Bereich Wirkstoffforschung aktiv. Seit die Suche nach einem Partner fehlschlug, konzentrieren sich die Heidelberger aber ausschließlich auf den Ausbau ihrer Softwarelösungen - bislang ohne größeren Erfolg: Auf dem Weg zum erhofften Turnaround waren zum Jahreswechsel 2003/2004 von den mehr als 200 Millionen Euro Cash aus dem Börsengang nur noch 48 Millionen Euro übrig. (mb)