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Linuxworld-Kommentar: Microsoft in der Defensive

16.11.2005
Hierzulande will die Softwaregroßmacht in Harmonie mit den Rivalen leben - auch wenn die Bosse in Redmond immer wieder in die Parade fahren.

Halb zog es ihn, halb sank er hin. "Wir sind hier, weil unsere Kunden hier sind." Microsoft-Manager Alfons Stärk umschreibt so das Problem, dass die Anwender treulose Herzen geworden sind (IBM hat diesbezüglich schon länger Erfahrung). Der mit reichlich Argumenten und rhetorischem Talent ausgestattete Verantwortliche für die Eindämmung der Open-Source-Welle hat es mit der Realität zu tun, dass Linux und Konsorten nicht nur die Kommunikationskanäle - vor allem das Internet - beherrschen, sondern auch Microsofts geplante Ablösung der Unix-Umgebungen in den Server-Räumen blockieren.

Die bayrische Methode "Nicht mal ignorieren!" hat nicht gewirkt. Rhetorische Kreuzzüge der Großkopferten aus Redmond auch nicht. Stärk: "Execs haben Statements abgegeben, die nicht wirklich schlau waren." Jetzt muss er es ausbaden: "Die IT-Umgebungen sind heterogen." Und es könnte für Microsoft noch dicker kommen: "In der Realität geht es um offene Standards."

Heute sei "Interoperabilität wichtig", auf der Tagesordnung stehe "die Integration der Welten". An dieser Stelle fehlt es Stärk natürlich nicht an Argumenten für die Überlegenheit des Microsoft-Angebots oder an Hinweisen auf die Flexibilität der neuen Sourcecode-Lizenzmodelle. Woraus sich schließen lässt: Microsoft ist in der Defensive, befindet sich in einem Rückzugsgefecht. Und die deutsche Chefetage dürfte der Realität näher sein als die US-amerikanische. (ls)