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LinuxWorld: Der ewige Kampf zwischen GNOME und KDE

16.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zwei Seelen wohnen, ach, in der Brust von Desktop-Linux: Das "K Desktop Environment", kurz KDE, und das von Verfechtern der reinen Open-Source-Lehre favorisierte (KDE enthält nämlich Elemente, an denen die norwegische Company Trolltech die Rechte hat) GNOME. Letzteres erhielt auf der LinuxWorld Conference & Expo in San Jose massive Rückendeckung. Eine ganze Reihe von Branchenschwergewichten, darunter Sun Microsystems, IBM, Hewlett-Packard, VA Linux, Collab.net, Red Hat sowie Eazel haben sich zur Gnome Foundation zusammengeschlossen, um die Benutzeroberfläche als Standard voranzutreiben. Ebenfalls mit an Bord sind die einflussreichen Non-Profit-Organisationen Free Software Foundation (FSF) und Object Management Group (OMG).

GNOME soll unter anderem (in einer späteren Version) Standardoberfläche von Suns kommerziellem Unix Solaris und auch stärker mit "Star Office" verknüpft werden (über das "Bonobo"-Komponentenmodell). Auch HP will HP-UX künftig mit einem GNOME-Gesicht versehen. Daneben soll GNOME eine Reiher neuer Komponenten erhalten, beispielsweise den ebenfalls als Open Source entwickelten Netscape-Ableger "Mozilla" als Browser, Eazels neue Dateiverwaltung "Nautilus" und Anwendungsprogramme von Helixcode, der Softwarefirma von GNOME-Urheber Miguel de Icaza.

Bei KDE macht sich angesichts der in Richtung Abstellgleis gestellten Weichen Unmut breit. "Der ganze KGE-GNOME-Krieg ist der reine Schwachsinn", meint etwa Trolltech-Chef Haarvard Nord. Er sähe am liebsten eine Verschmelzung der beiden Desktops, hält eine solche indes - genauso wie de Icaza übrigens - für unwahrscheinlich. Viele Experten halten übrigens den bisherigen Wettstreit der beiden Projekte für ausgesprochen fruchtbar. "GNOME ist durch die Konkurrenz von KDE viel besser geworden, und umgekehrt gilt das Gleiche", erklärt stellvertretend Red-Hat-Chef Bob Young.

Hauptproblem einer "Gleichschaltung" von GNOME und KDE sind die unterschiedlichen Libraries, die beide Pakete als Entwicklungsbasis enthalten. KDE nutzt "Qt" von Trolltech, während GNOME auf das bei Red Hat gepflegte "GTK" setzt. Beide weisen zwar ähnliche Eigenschaften auf, unterscheiden sich aber technisch grundlegend. "Es gibt keine Chance, die Toolkits zu kombinieren", meint Red-Hat-Frau Gwen Taylor. Nord sieht zumindest eine "theoretische Möglichkeit" und will wenigstens auf in puncto Lizenz die nötigen Voraussetzungen schaffen, indem Trolltech seine Konditionen so verändert, dass sie mit der GNU General Public License konform gehen.