Web

 

Linuxworld: Alternatives Angebot wird einfacher nutzbar

10.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nicht mehr Linux, seine verschiedenen Distributionen und altbekannte, verbreitete Anwendungen wie der Web-Server Apache, die Datenbank MySQL oder die Programmiersprachen PHP, Python und Perl stehen im Mittelpunkt des Interesses auf der Linuxworld in San Francisco. Viel wichtiger sind Applikationen - und im speziellen Bündel mehrerer Anwendungen, möglichst auch noch mit passender Hardware.

So unterstützt Dell auf den "Poweredge"-Servern 830 und 850 mit Dual-Core-Intel-Prozessoren nicht nur Linux von Red Hat und Novell-Suse. Die Kunden können auch gleich MySQL und den Applikation-Server Jboss im Bundle mitbekommen. Im Preis der getesteten Systeme ist der Support durch MySQL Network und Jboss Network enthalten.

IBM offeriert, wie hier berichtet, auf der Linuxworld erstmals mit "Grid and Grow" ein variables Paket aus Blade-Servern, Betriebssystemen, Administrations-Tools aus eigener Entwicklung und von anderen Softwarehäusern sowie Support und Services. Das sehr preisgünstige Angebot soll nicht nur zum Einstieg in Grid-Computing verlocken. Es soll vor allem zur besseren Kenntnis dieser Rechnerverbünde beitragen. "Grid hat die Aura der Komplexität", erläuterte Al Bunshaft, IBMs Grid-Chef, "und wir wollen die Komplexität beseitigen."

Hewlett-Packard hat angekündigt, allein in den USA vier "Linux Expertise Center" einrichten zu wollen. Dort werden Softwarehäuser, Systemintegratoren und Entwickler ihre Produkte auf HP-Hardware und untereinander abstimmen können. Am Ende sollen interessierte Anwender erfahren können, was miteinander harmoniert.

Linux und entsprechende Anwendungen zu installieren und zu betreiben ist für Kenner kein Problem. Schwieriger wird es schon, aus dem inzwischen sehr breiten Angebot aus mehr als 100.000 Open-Source-Projekten, die zum Teil auch noch an ähnlichen Problemen arbeiten, die passenden Produkte auszuwählen. Noch schwieriger wird es, bei neuen Releases einzelner Anwendungen die Kompatibilität und Verträglichkeit mit anderen Programmen zu überprüfen. Dieses Problem wird umso größer, je mehr Unternehmen und Verwaltungen sich für Open-Source-Software interessieren, denn viele haben einfach nicht das notwendige Wissen.

In diese Lücke springen Dienstleister wie Spikesource aus Redwood City und Sourcelabs aus Seattle, die sich leider noch auf den US-amerikanischen Markt konzentrieren. (Deutsche Linux-Spezialisten wie Univention aus Bremen oder Gonicus aus Arnsberg haben zwar ein vergleichbares Wissen, aber kein so weitgehendes Angebot.) Spikesource und Sourcelabs bieten einen umfassenden Service an: gängige vorkonfigurierte und getestete Stacks von Open-Source-Anwendungen.

Spikesource hat quasi 70 Open-Source-Programme im Portfolio. Anwender können aus ihnen eine Auswahl treffen und vom Dienstleister erfahren, ob und in welchen Releases mit welchen Bugfixes und auf welcher Hardware etc. diese miteinander harmonieren. Die Programme lassen sich bei Spikesource kostenlos herunterladen. Um es einfacher zu machen, bietet das Serviceunternehmen sieben Software-Stacks mit den am häufigsten nachgefragten Applikationen. Wer Support haben will und - natürlich zuvor getestete - Updates beziehen möchte, zahlt für diese Dienstleistung pro Jahr und Server 995 Dollar.

Ähnlich funktioniert es bei Sourcelabs. Hier aber liegt der Schwerpunkt nicht auf Open-Source-Anwendungen. Vielmehr ist auch alles über Linux-fähige kommerzielle Software wie Beas Weblogic-Plattform, IBMs Websphere oder die Oracle-Datenbank und ihre Kompatibilität mit Open-Source-Programmen zu erfahren. Der Preis beginnt bei 2000 Dollar pro Server.

Solche Angebote schaffen Linux- und Open-Source-Interessierten einen hervorragenden Überblick und geben die Sicherheit, in kurzer Zeit zu funktionsfähigen IT-Umgebungen zu kommen. Gerade für US-amerikanische Anwender, die weit weniger Erfahrungen mit quelloffenen Systemen haben als deutsche Unternehmen und Verwaltungen, ist das Angebot kompletter Systeme wichtig. Es erleichtert die Verbreitung quelloffener Software. (ls)