IDC-Studie

Linux-Server werden zum Mainstream

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Der Markt für Linux-basierende Server-Betriebssysteme wächst bis zum Jahr 2012 durchschnittlich um acht Prozent, prognostiziert IDC.

Als Server-Betriebssystem gehört Linux heute in vielen Unternehmen zum Inventar, berichtet das Marktforschungs- und Beratungshaus IDC. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Wachstumsraten wider, die die Analysten errechnet haben. Konnten die Linux-Distributoren in den Jahren 2005, 2006 und 2007 noch zweistellige Zuwächse bei den ausgelieferten Systeme verbuchen, rechnet IDC für 2008 nur noch mit einer Zunahme um 9,2 Prozent. Bis zum Jahr 2012, so die Prognose, werde der Markt für Linux-Server jedes Jahr durchschnittlich noch um 8,2 Prozent wachsen.

Die Megatrends, die auch den Linux-Markt beeinflussen, heißen für die IDC-Experten Server-Konsolidierung mit Virtualisierung und 64-Bit Computing. Ein spezieller Faktor ist ihrer Ansicht nach die Tendenz etlicher Anwender, Linux auf nicht traditioneller Hardware zu installieren. Dazu zählten etwa normale PCs, die als Server genutzt werden, aber auch ältere oder ausgemusterte Server-Systeme, deren Lebenszyklus mit einer Linux-Installation verlängert werde. Eine zunehmend wichtige Rolle spielten Linux-Installationen auch innerhalb von virtuellen Maschinen. Im Zeitraum von 2004 bis 2007 beobachten die Auguren zudem eine Verschiebung im Markt. Der Schwerpunkt im Bereich kommerziell vermarkteter Linux-Distributionen habe sich von billigen Massenprodukten hin zu höherwertigen Systemen mit geringeren Stückzahlen verlagert (siehe auch: Die Zukunft von Open Source).

Für das Jahr 2007 macht IDC einen klaren Gewinner im weltweiten Markt für Linux-basierende Server-Betriebssysteme aus. Novell konnte sich mit einem rasanten Wachstum als Key Player etablieren, kommentieren die Analysten. Der Anbieter der Suse-Linux-Familie habe dabei insbesondere von der engen Partnerschaft mit Microsoft profitieren können. Aber auch der Platzhirsch Red Hat legte zu.

Betrachtet man nur die Anzahl verkaufter Pakete beziehungsweise Abonnements, ergibt sich ein klares Bild: Mit der Produktreihe Enterprise Linux hält Red Hat einen Marktanteil von 62,1 Prozent. Novell kommt mit Systemen der Familie Suse Linux Enteprise Server auf 29 Prozent. Die übrigen 8,9 Prozent teilen sich kleinere Anbieter wie Turbolinux, Red Flag und Canonical (Ubuntu), aber auch Oracle mit Enterprise Linux und Unbreakable Linux. Das von Larry Ellison geführte Unternehmen konnte trotz einiger Marketing-Anstrengungen bisher lediglich 1,1 Prozent der Server-Verkäufe für sich gewinnen.

Im Vergleich zum Vorjahr 2006 gelang es Novell, gegenüber dem Erzrivalen Boden gut zu machen: Der Anteil der Suse-Linux-Server stieg von 26,1 auf 29 Prozent. Red Hat musste einen Rückgang von 64,2 auf 62,1 Prozent hinnehmen. Folgerichtig erzielte Novell mit einer Steigerung von fast 39 Prozent auch das schnellste Wachstum im Jahresvergleich. Red Hat verbuchte eine Wachstumsrate von rund 21 Prozent (siehe auch: Novell gegen Red Hat - Wer hat den besseren Linux-Server?). Anders stellt sich die Situation im Bereich der kostenlos genutzten Linux-Distributionen dar. Hier dominiert CentOS mit einem Anteil von 30,5 Prozent, gefolgt von Red Hat Enterprise Linux (19,3), Fedora Core (14,6) und Novell Suse Linux Enterprise (9,0).

Die wachsende Popularität des Open-Source-Betriebssystems lässt sich auch an den Umsätzen der Hardwareanbieter ablesen. Nach Berechnungen von IDC verkauften sie im zweiten Quartal 2008 Linux-basierende Server im Wert von 1,9 Milliarden Dollar, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatzanteil verkaufter Linux-Server am gesamten Server-Markt stieg von 9,4 auf 13,4 Prozent.