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Linux profitiert von der Branchenkrise

16.09.2002
Deutsche Unternehmen setzen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstärkt auf Linux-basierende Server-Plattformen. Sie erhoffen sich in erster Linie Kosteneinsparungen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - 21 Prozent der deutschen Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern setzen derzeit Linux als Server-Betriebssystem ein, hat das Kasseler Marktforschungsunternehmen Techconsult ermittelt. Bis zum Jahr 2004 werde dieser Anteil auf 25 Prozent steigen. Für die Studie befragten die Experten 951 Unternehmen unterschiedlicher Größe. Die Meta Group kommt in einer Befragung von 90 IT-Entscheidern zu einer ähnlich optimistischen Einschätzung. Demnach denken neun von zehn Unternehmen in Deutschland darüber nach, innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre Linux einzusetzen.

Der wichtigste Grund, das quelloffene Betriebssystem zu nutzen, ist für jeden vierten IT-Leiter die Kostenreduzierung. 61 Prozent erwarten allgemein Verbesserungen der Gesamtkosten im IT Betrieb (Total Cost of Ownership). Diese Angaben passen zu den Ergebnissen der Techconsult-Studie. Derzufolge gaben 29 Prozent der Linux-Nutzer an, signifikante Kosten-einsparungen erreicht zu haben. 24 Prozent sprachen von "deutlichen Spareffekten". Zukünftig erwarten rund 64 Prozent der Linux-Anwender signifikante oder deutliche Einsparungen.

Vorreiter in Sachen Open Source sind Telekommunikationsfirmen und Non-Profit-Organisationen; das stärkste Wachstum für Linux auf dem Server verzeichnen Versorgungsunternehmen und die öffentliche Verwaltung. Gerade Behörden hätten auch langfristig mit knappen IT-Budgets zu kämpfen, so TechConsult. Aktuelle politische Initiativen - bekanntestes Beispiel ist der Linux-Einsatz im Deutschen Bundestag - beeinflussten die Ent-wicklung stärker als in anderen Segmenten.

Aus technischer Sicht nannten die Befragten Stabilität und Performance sowie das hohe Sicherheitsniveau als Motive für den Linux-Einsatz. Als zentrale Argumente dagegen gelten das noch unzureichende Angebot an Business-Lösungen und fehlende Referenzen. Auch der hohe Installations- und Administrationsaufwand sowie das als unzureichend empfundene Service- und Supportangebot hielten noch viele Unternehmen vom Linux-Einsatz ab.

Die Meta Group kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: Die Anwender seien in puncto Kosteneinsparung, Performance und Stabilität sehr zufrieden. Die Softwareunterstützung, der Installations-Support und der Administrationskomfort würden hingegen noch als "neuralgische Punkte" betrachtet. Aus der Sicht von Techconsult sind diese Kritikpunkte allerdings zu relativieren: Das wachsende Angebot an Business-Lösungen und Services werde von den IT-Entscheidern antizipiert.

Vor diesem Hintergrund lautet eine weitere Erkenntnis, dass sich die Anwendungsfelder für Open-Source-Software verändert haben. Zwar zählen laut Techconsult noch immer Webserver (Internet/Intranet), Firewalls und Mailserver zu den wichtigsten Einsatzgebieten. Bei den derzeitigen Linux-Anwendern werde die Relevanz von Linux innerhalb der strategischen IT-Planung aber weiter zunehmen. Den höchsten Bedeutungszuwachs erreiche das Betriebssystem in den Bereichen Datenbank- und Applikations-Server.

Dass die wachsende Popularität von Linux vor allem zu Lasten Microsofts gehen könnte, bezweifeln deutsche IT-Verantwortliche. Knapp die Hälfte der von Techconsult Befragten geht davon aus, dass nach einer Etablierung des quelloffenen Systems vor allem Unix-Derivate verdrängt werden. Auch im Desktop-Segment muss die Gates-Firma auf mittlere Sicht kaum Einbußen befürchten. Laut Techconsult nutzen derzeit lediglich sechs Prozent der deutschen Unternehmen über 20 Mitarbeiter Linux auf dem Client. Bis 2004 soll der Wert auf acht Prozent zulegen. (wh)