Google wird zu mächtig

Linux-Community reagiert verhalten auf Google Chrome

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
In der deutschen Linux-Szene stößt Googles Open-Source-Browser auf ein geteiltes Echo.

Die Open-Source-Community schwankt in Sachen Google Chrome zwischen Sorge und Begeisterung. So zumindest lassen sich Aussagen einiger Protagonisten interpretierten. Einerseits ist Google selbst einer der größten Linux-Nutzer und hat Chrome als quelloffenes System veröffentlicht. Andererseits sehen auch die Linux-Unterstützer die wachsende Marktmacht des Suchmaschinenkonzerns mit großer Skepsis.

"Google kann eines Tages durch eine zu starke Vormachtstellung die Vielfalt und die freie Entfaltung im Web behindern, quasi Online-Microsoft werden", kommentiert Peter Ganten, Chef des Bremer Open-Source-Softwarehauses Univention. Elmar Geese, Vorsitzender des Linux-Verbandes (LIVE) sieht eine andere Bedrohung: "Problematisch wird’s eher, wenn die vergleichsweise wenigen Riesen einen großen Teil des Internetkuchens aufteilen. Wenn Google, Ebay und Amazon zusammengehen, dürfen wir uns richtig Sorgen machen."

"Wenn Google, Ebay und Amazon zusammengehen, dürfen wir uns richtig Sorgen machen", warnt Elmar Geese, Vorsitzender des Linux-Verbandes (LIVE).
"Wenn Google, Ebay und Amazon zusammengehen, dürfen wir uns richtig Sorgen machen", warnt Elmar Geese, Vorsitzender des Linux-Verbandes (LIVE).

Das dominierende Thema im Zusammenhang mit Google bleibt indes auch in der Open-Source-Szene das gewaltige Wissen über die Web-Nutzer, dass sich der Konzern bereits aufgebaut hat. Mit Chrome weitet Google seine Bemühungen aus. "Es verstärkt sich das Misstrauen, dass Google seinen schicken Browser als trojanisches Pferd verwenden könnte, um noch komfortabler Daten über das Nutzerverhalten im Internet zu sammeln", erklärt Rafael Laguna, Chef des Softwareanbieters Open-Xchange dazu.

Firefox als Kollateralschaden?

Auf der Website des Linux-Verbands stellt der freie Journalist Ludger Schmitz zudem die Frage, ob nicht am Ende Mozilla Firefox als "Kollateralschaden" im Machtkampf zwischen Google und Microsoft enden könnte. Google habe zwar artig den Hut gezogen und sich bei den Entwicklern von Firefox bedankt, so der Autor. Hinzu kam die Verlängerung des Kooperationsabkommens mit der Mozilla Foundation bis 2011. Damit bleibt Google der wichtigste Geldgeber für die Firefox-Basis Mozilla. "Eine Rechnung ist damit aufgegangen", schreibt der Linux-Protagonist: "Es ging kein Aufschrei der Empörung durch die Open-Source-Szene." Dennoch erwächst nicht nur Microsofts Internet Explorer sondern gerade auch dem bislang stärksten Open-Source-Rivalen Firefox mit Chrome eine ernstzunehmende Konkurrenz.