Linux-Enterprise-Desktops haben höhere Priorität

Linux-Anbieter lassen Entwicklung von Consumer-Desktops schleifen

Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Nach Einschätzung der Verantwortlichen von Novell und Red Hat wird es noch einige Jahre dauern, bis Linux-Desktops im Consumer-Bereich eine Chance haben. Die Anbieter wollen sich bis dahin auf den Enterprise-Bereich konzentrieren.

"Der Consumer-Markt braucht noch Zeit, um sich zu entwickeln", sagte Ronald Hovsepian, President und CEO von Novell, im indischen Bangalore. Sein Unternehmen werde sich deshalb in den kommenden drei bis fünf Jahren hauptsächlich auf die Entwicklung von Enterprise Desktops konzentrieren. "Wir fokussieren uns auf Infrastruktursoftware für Unternehmen", bestätigt Michael Chen, Vice President für den Bereich Marketing beim Konkurrenten Red Hat. Es gebe keine Pläne, einen Linux-Desktop für das Endverbrauchergeschäft zu entwickeln. Für den Consumer-Markt sei ein spezielles Support-Modell und ganz andere Applikationen erforderlich als im Firmengeschäft.

Die Linux-Nachfrage im Unternehmensumfeld werde immer stärker, berichtet Novell-CEO Hovsepian. Beispielsweise habe der französische Automobilhersteller Peugeot Citroen ein mehrjähriges Projekt gestartet, um 20.000 Desktop-Rechner auf Linux zu migrieren. Allerdings stellten die wenigsten Firmen ihre komplette Desktop-Landschaft auf ein Open-Source-Betriebssystem um. Auch die Franzosen wollen lediglich einen Teil ihrer 70.000 Rechner zählenden PC-Infrastruktur umbauen. Seine Hoffnungen setzt der Linux-Anbieter vor allem auf stark wachsende Märkte in Asien und Lateinamerika. Dort seien die Unternehmensanwender offener gegenüber dem Open-Source-System.

Linux-Anbieter nehmen Indien ins Visier

Die Novell-Verantwortlichen wollen ihre Präsenz in den Wachstumsmärkten weiter ausbauen. Hovsepian eröffnete in Bangalore ein weiteres Entwicklungszentrum, das 700 Beschäftigten Platz bieten soll. Damit wäre die Niederlassung die Größte außerhalb der USA. Schon heute arbeiten rund 600 Mitarbeiter für Novell in Indien, 500 davon in Bangalore. Der Softwarehersteller kündigte an, in den kommenden drei Jahren rund 100 Millionen Dollar auf dem Subkontinent investieren zu wollen.

Auch für Red Hat spielen Märkte wie Brasilien, China, Indien und Russland eine immer bedeutendere Rolle. Allerdings verzögern sich die Entwicklungen. Der Linux-Distributor hatte vor knapp einem Jahr den "Red Hat Global Desktop" (RHGD) angekündigt. Mit dem Linux-Paket sollten kleine Firmen in den aufstrebenden Märkten adressiert werden. Vertrieben werden soll das System über eine Reihe von lokalen Intel-Partnern. Doch noch ist es nicht soweit. Ursprünglich wollte Red Hat den RHGD bereits im September vergangenen Jahres ausliefern. Eine Verschiebung auf November begründete man damit, dass mit dem Linux-System die komplette Palette der Intel-Plattformen unterstützt werden sollte. Dafür benötige der Anbieter jedoch noch etwas Zeit, hatte es geheißen. Doch auch ein halbes Jahr später ist von dem Linux-System nichts am Markt zu sehen. Insider gehen davon aus, dass die Auslieferung noch bis zum Sommer auf sich warten lassen wird.