Zukunft der Arbeit

Lineare Karrierepfade - ein Auslaufmodell

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Die Zukunftsforscherin Kirsten Brühl hat eine klare Meinung, worauf sich Beschäftigte künftig einzustellen haben.

CW: Welche Trends zeichnen sich auf dem Arbeitsmarkt ab?

Kirsten Brühl arbeitet beim Zukunftsinstitut und beschäftigt sich unter anderem auch mit Prognosen zur Arbeitswelt von morgen.
Kirsten Brühl arbeitet beim Zukunftsinstitut und beschäftigt sich unter anderem auch mit Prognosen zur Arbeitswelt von morgen.

BRÜHL: Das Thema der nächsten Jahre heißt Einzigartigkeit. Das gilt für Unternehmen ebenso wie für den einzelnen Arbeitnehmer. Denn wir leben in einer schnell getakteten Innovationswirtschaft. Erfolg wird nur der haben, der ein klares Profil hat und das gut nach außen kommunizieren kann. Das bedeutet, dass man seine eigenen Stärken kennen und wissen muss, wie man sich von anderen unterscheidet. Wer dagegen nur auf Sicherheit setzt und versucht, sich ausschließlich am Markt und dessen Bedürfnissen zu orientieren, kann unversehens aufs Abstellgleis geraten, denn der Arbeitsmarkt der Zukunft lässt sich immer weniger verlässlich prognostizieren.

CW: Was wird sich für die Beschäftigten ändern?

BRÜHL: Selbstverantwortung und Eigenständigkeit, aber auch Ankopplungs- und Beziehungsfähigkeit werden zu Kernkompetenzen für die Zukunft. Das gilt nicht nur für diejenigen, die selbständig arbeiten. Auch Angestellten wird zunehmend unternehmerisches Verhalten abverlangt.

CW: Welche Formen der Beschäftigung werden zunehmen?

BRÜHL: Die lebenslange Vollzeitstelle und vorgezeichnete lineare Karrierepfade geraten zum Auslaufmodell. Stattdessen wird man sich sein Arbeitsportfolio immer wieder neu zusammenstellen und sortieren müssen. Dazu gehört Angestelltenarbeit ebenso wie Projektarbeit, aber auch unbezahlte Arbeit wie Familienarbeit, Engagement für die Gesellschaft oder persönliche Projekte. Denn Arbeit ist nicht nur das, was am Markt bezahlt wird. Mehr und mehr Menschen werden ihr persönliches Lebensmosaik auch mit Aktivitäten füllen, die ihnen am Herzen liegen, die aber nicht entlohnt werden.

CW: Worauf müssen sich die Mitarbeiter künftig stärker einstellen als früher?

BRÜHL: Viele Unternehmen agieren nicht länger wie behäbige Tanker, sondern eher wie Schnellboote. Mitarbeitern verlangt das eine Menge Flexibilität ab. In einem solchen Arbeitskontext ist es wichtig, von Anfang an die eigenen Ziele klar zu definieren und immer wieder zu überprüfen.

CW: Welche Fähigkeiten werden wichtiger, welche weniger wichtig?

BRÜHL: Die Fähigkeit zur Selbstreflektion und Selbststeuerung wird entscheidend werden. Das klassische Arbeiten nach Anweisung dagegen wird weniger gefragt sein.

CW: Und welche Herausforderungen kommen auf die Unternehmen in puncto Rekrutierung, Förderung und Entwicklung von Mitarbeitern zu?

BRÜHL: Der Wettbewerb um echte Talente, also den innovationsfreudigen und wandlungsfähigen Nachwuchs, wird angesichts der demografischen Entwicklung weiter zunehmen. Unternehmen müssen sich deshalb als starke Arbeitgebermarke am Markt positionieren.