Linux in München

LiMux macht Fortschritte

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Zwei Jahre nach Einführung der ersten Linux-Desktops zieht die Stadt München eine positive Bilanz ihrer Open-Source-Strategie.

Die Grundsatzentscheidung der Münchner Stadtverwaltung für Open Source geht bereits auf das Jahr 2003 zurück. Doch erst seit 2006 laufen die ersten Arbeitsplatzrechner mit dem so genannten LiMux-Basis-Client, einer Debian-basierenden Linux-Distribution. Seitdem könne das Vorhaben beachtliche Ergebnisse vorweisen, erläuterte die Münchner Bürgermeisterin Christine Strobl auf einer Veranstaltung unter dem werbewirksamen Motto "2 Jahre LiMux - offene Standards, freie Software, starke Wirtschaft".

Der Limux-Client stehe derzeit auf 1200 Arbeitsplätzen der Kommune zur Verfügung. Das Direktorium und das Kulturreferat seien nahezu vollständig umgestellt, vier weitere Referate begönnen gerade mit der Umstellung. Im Laufe des kommenden Jahres sollen alle Referate der bayerischen Landeshauptstadt mit der Linux-Migration angefangen haben.

Kosten liegen im Plan

Im Vergleich zu den insgesamt 14 000 Arbeitsplätzen ist die Verbreitung des mit einigen Verzögerungen entwickelten Linux-Clients zwar noch bescheiden. Doch die SPD-Politikerin sieht die Kommune damit auf dem richtigen Weg. Bis zum Jahr 2011 sollen 80 Prozent der Arbeitsstationen mit LiMux ausgestattet sein. Hinsichtlich der Kosten liege die Stadt im Plan. Von insgesamt 13 Millionen Euro, die für das Projekt genehmigt wurden, seien erst vier Millionen Euro ausgegeben worden. Strobl: "Wir werden den Kostenrahmen mit ziemlicher Sicherheit einhalten."

Weiter fortgeschritten ist den Angaben zufolge die Umstellung auf das quelloffene Büropaket OpenOffice.org. Mehr als 8000 Arbeitsplätze nutzten die Open-Source-Software. In diesem Zusammenhang spielt das System WollMux, eine Eigenentwicklung für die aufwändige Vorlagen- und Formularverwaltung, eine zentrale Rolle. Acht von zwölf Referaten arbeiten bereits mit dem System. Im Mai stellte die Stadt München den WollMux-Quellcode der Open-Source-Community zur Verfügung.

Freie Software in Form von Web-Browsern oder E-Mail-Clients finde sich heute auf allen 14 000 Arbeitsplatzrechnern der Stadtverwaltung, betonte Strobl. Rechne man das pädagogische Netz der Schulen hinzu, steige die Zahl auf rund 38 000. Mit ihrer Open-Source-Initiative stoße die Stadt inzwischen weltweit auf eine Resonanz, mit der niemand gerechnet habe. Vor allem Behörden aus Nord- und Osteuropa interessierten sich für das Projekt. Erst im Juni berichtete Oberbürgermeister Christian Ude auf Einladung von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in Brüssel über den Einsatz quelloffener Software.