Lieferengpass bei DVD-Laufwerken spitzt sich zu

10.10.2007
Von pte pte
Die starke Nachfrage aus dem Spielekonsolen-Markt forciert den DVD-Wettbewerb auch im PC-Lager.

Nachdem das Bauteilangebot für die Herstellung von DVD-Brennern und -Leselaufwerken bereits seit dem zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres volumenmäßig schwächelte, erreicht der Lieferengpass nun seinen vorläufigen Höhepunkt. Von der Misere betroffen sind mittlerweile DVD-ROM- und Slim-DVD-Brenner, sodass sich der Kampf der Hersteller um die vorhandenen Zulieferreserven zuspitzt, berichtet das asiatische Branchenportal DigiTimes unter Berufung auf informierte Industriekreise.

"Wir können bestätigen, dass die Verfügbarkeit von DVD-Laufwerken in den vergangenen zwei bis drei Monaten schlechter geworden ist. Wir beobachten die Verknappung hauptsächlich bei SATA-Laufwerken. Hier liegt auch der Grund für die Lieferengpässe", sagt Renate Stoffel, Marketing Communication Manager bei LG Electronics Deutschland, auf Nachfrage von pressetext. So hätten die großen PC-Hersteller früher als erwartet von PATA auf SATA umgestellt. Laufwerk-Produzenten wie LG Electronics beziehungsweise das Joint Venture Hitachi-LG Data Storage hätten damit nicht gerechnet und die eigenen Forecasts folglich nicht darauf eingestellt, unterstreicht Stoffel.

Bei führenden Anbietern von DVD-Brenngeräten wie dem weltweit größten OEM/ODM-Hersteller optischer Lese- und Schreibgeräte, Hitachi-LG Data Storage, sind erste Auswirkungen hinsichtlich der Produktionsvolumina bereits spürbar. Laut vorsichtigen Einschätzungen von Brancheninsidern sollen die Japaner derzeit nur rund 85 bis 90 Prozent ihrer eingehenden Bestellungen auch tatsächlich auslieferungsfertig herstellen können. Ursächlich hierfür seien unter anderem Zuliefererengpässe sogenannter PUHs, Abtast- beziehungsweise Leseeinheiten für DVD-Brenner. Dass sich die Engpässe vor dem Hintergrund des noch nicht entschiedenen DVD-Nachfolgekriegs zwischen Blu-ray und HD-DVD darstellen und auch DVD-Laufwerk-Zulieferer skeptisch sind, weist Stoffel zurück.

"Mit dem Streit um das HD-Format hat das nichts zu tun. Dieser Entwicklung sehen wir gelassen entgegen. LG gehört zum Blu-ray-Konsortium, weil wir diese Technologie für besser halten. Aber letztlich entscheidet der Kunde", so die LG-Electronics-Deutschland-Sprecherin gegenüber pressetext. Diese Einschätzung teilt auch Toshiba Europe: "Das neue HD-Format hat nichts mit eventuellen Lieferproblemen der Laufwerk-Hersteller im DVD-Standardbereich zu tun. Möglicherweise wurde der Marktbedarf an Laufwerken falsch eingeschätzt und es wurden zu niedrige Forecasts an die Fabriken übermittelt", ergänzt Frank Eschholz, Business Development & Product Manager Consumer Visual Products bei Toshiba Europe, im Gespräch mit pressetext.

Im Vergleich zu anderen namhaften japanischen Elektronikherstellern wie Pioneer zeigt sich das Ausmaß der Versorgungsknappheit der industriellen Fertigungsbauteile noch deutlicher. So bewältigt der Konzern mittlerweile nur mehr maximal 80 bis 90 Prozent seiner aktuellen Bestellungen, heißt es in einer Aussendung der Pioneer-Tochtergesellschaft Pioneer High Fidelity Taiwan. Der größte taiwanische ODD-Laufwerk-Hersteller Lite-On hingegen weist im Rahmen seiner Produktionsengpässe auch auf die aktuelle Wettbewerbssituation hin.

So sei die Angebotssituation von DVD-PUHs auch zusätzlich durch die große Nachfrage von Hitachi-LG Data Storage beeinflusst. Brancheninsider führen die gesteigerte Nachfrage nach optischen Laufwerken aber auch auf das Geschäft mit Microsofts Xbox 360, Nintendos Wii und anderen Spielekonsolen-Herstellern zurück. Das PC-bezogene DVD-Brenner-Geschäft würde somit zusätzlich in seiner Herstellungs- und Versorgungslage beeinflusst, heißt es aus Industriequellen. (pte)