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Liberty setzt Telekom unter Druck

03.09.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Trotz wiederholter gegenteiliger Beteuerungen seitens der Deutschen Telekom ist der geplante Verkauf ihrer milliardenschweren Fernsehkabelnetze an den US-Konzern Liberty Media offenbar noch lange nicht unter Dach und Fach. Die Amerikaner hätten am Wochenende erneut eine selbst gesetzte Frist für den Vertragsabschluss verstreichen lassen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD) in ihrer heutigen Ausgabe. Damit sei das Gelingen des Geschäfts erneut in Frage gestellt. Ursprünglich sollte der Vertrag bereits Ende Juli unterzeichnet werden.

Die Verhandlungen sind erneut ins Stocken geraten, weil der Medienkonzern bei den Ausstiegsklauseln weitere Zugeständnisse fordert, die dem Bonner Carrier nur wenig Sicherheit bieten würden, den vereinbarten Kaufpreis von 5,5 Milliarden Euro tatsächlich zu erhalten. Liberty-Chef Robert Bennett wolle einen extrem langen Zeitraum zwischen dem Vertragsabschluss (Signing) und dem Übergang des Eigentums (Closing) durchsetzen, erfuhr das Blatt aus Insiderkreisen. Während bei Unternehmenskäufen ein Zeitraum von bis zu drei Monaten üblich sei, strebe Liberty nun eine Frist von sechs bis zwölf Monaten an.

Sollte sich der US-Konzern mit dieser Forderung durchsetzen, würde er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen müsste er den vereinbarten Kaufpreis erst nach dem Closing bezahlen. Zum anderen bliebe den Amerikanern dann ausreichend Zeit, mehrere Übernahmeangebote für kleinere deutsche Kabelnetzbetreiber beim Kartellamt einzureichen und sich damit gegen eventuelle kartellrechtliche Einwände abzusichern (Computerwoche online berichtete). Wenn die Behörde auch nur einen wichtigen Zukauf ablehnt, soll nach Bennetts Vorstellung die Ausstiegsklausel bereits greifen. Liberty-Media hatte im Vorfeld immer wieder betont, dass sie weitere Zukäufe deutscher Netzbetreiber als entscheidend für den Erfolg ihres Kabelprojektes erachtet.