Letzter Ausweg Kündigung

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital eines Unternehmens, diesen Satz geben Manager nur zu gern von sich. Dass zwischen Maxime und Realität oft Welten liegen, zeigen Wolfgang Schur und Günter Weick in ihrem neuesten Business-Roman „Da waren´s nur noch neun. Wie man auch die besten Mitarbeiter vergrault“ auf.

Vor drei Jahren eroberten Schur und Weick mit ihrem ersten Business-Roman „Wahnsinnskarriere“ die Besteller-Listen. Auch in ihrem dritten Buch bleiben sie ihrem erfolgreichen Strickmuster treu: Sie kombinieren fiktive Romanhandlung mit Analysen und Tipps im Sachbuchstil, um zu demonstrieren, wie Unternehmen durch falsche Personalpolitik und Management-Fehler gute Mitarbeiter in die innere und äußere Kündigung treiben.

Im Mittelpunkt steht der 25-jährige Martin Guter, ein frisch diplomierter Betriebswirt, der mit großen Erwartungen das Trainee-Programm bei der Agati AG antritt. Schnell stellt sich heraus, dass die als High Potentials geholten neuen Mitarbeiter niemand so richtig braucht. Guters Weg durch die Abteilungen säumen Kündigungen - es gehen immer die Kollegen, die sich besonders eingesetzt haben, dann aber im entscheidenden Moment von ihrem Chef oder der Unternehmensleitung enttäuscht wurden.

Die Anlässe sind scheinbar lapidar: Zwei nicht genehmigte Urlaubstage, die aber schon vor sechs Wochen beantragt wurden, oder die Weigerung des Vorgesetzten, seinen besten Mann an einem Entwicklungsprogramm teilnehmen zu lassen. Doch in den dazwischen geschobenen Fehleranalysen betten die Autoren die Beispiele der Romanhandlung in einem größeren Zusammenhang ein, in dem sich so mancher Leser mit seinen eigenen Erlebnissen wiederfinden dürfte.

Schur und Weick, die sich beide übrigens während ihrer Tätigkeit für ein amerikanisches IT-Unternehmen kennenlernten, belassen es aber nicht dabei, typische Fehler von Führungskräften anzuprangern. Sie geben den betroffenen Mitarbeitern auch Tipps, wie sie aus der für sie unbefriedigenden Situation einen Ausweg finden können. Beispiel: Wenn der Chef wichtige Informationen für sich behält, sollte man die Initiative ergreifen und sie durch entsprechende Fragen einfordern. Das kann natürlich nur klappen, wenn die Führungskraft die Informationen nicht absichtlich zurückhält.

Auf den ersten Blick scheint das Buch von Schur und Weick nicht in eine Zeit zu passen, in der Mitarbeiter mehr um ihren Arbeitsplatz bangen als sich überlegen, aus Frust zu kündigen. Doch führt „Da waren´s nur noch neun“ in komprimierter Form vor, wie Führungskräfte Mitarbeiter demotivieren und Unternehmenskultur vergiften können - Vorgänge, die umso wahrscheinlicher werden, je stärker der äußere ( wirtschaftliche) Druck auf die Manager ist.

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