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Letsbuyit.com irritiert Anleger mit Gewinnmeldung

09.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Aktie des angeschlagenen Co-Shopping-Anbieters Letsbuyit.com erlebte am gestrigen Montag einen vorübergehenden Kursanstieg um rund 30 Prozent von 1,8 Cent auf 2,2 Cent. Grund war ein Fehler in der Adhoc-Mitteilung, da die Niederländer für das vergangene Geschäftsjahr eine Steigerung des Gewinns um 300 Prozent auf 1,3 Millionen Euro bekannt gaben. Wie Letsbuyit.com nach Aufforderung der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Nachmittag klarstellte, handelt es sich bei dem Betrag - wie in der englischen Version korrekt dargestellt - um das Bruttoergebnis, also das Resultat aus Umsatz (4,7 Millionen Euro) minus Herstellungskosten. Die SdK erklärte, dass die Gesellschaft bereits mehrfach aufgrund dubioser Meldungen aufgefallen sei und nach ihren Informationen kurz vor der Insolvenz stehe.

Allerdings hätten die Leser den Fehler bei einem Blick auf die weiteren Ergebnisse entdecken können: So wies der Co-Shopping-Spezialist für das vergangene Geschäftsjahr erneut einen Verlust pro Aktie aus, dieser konnte aber immerhin von 1,83 Euro im Vorjahr auf 48 Cent reduziert werden. Nettobetriebsverlust und Betriebskosten sanken nach Unternehmensangaben im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent. Nach der abgeschlossenen Reorganisation der Internet-Firma geht John Palmer, Gründer und Vorstandsvorsitzender, davon aus, dass Letsbuyit.com innerhalb der nächsten zwölf Monate die Gewinnschwelle erreichen kann.

Das erst durch mehrere Finanzspritzen wiederbelebte Unternehmen hatte im vergangenen Jahr einen geschäftsstrategischen Wechsel zu einem reinen Agenturmodell vorgenommen: Anstatt in Eigenregie Produkte anzubieten, tritt der Co-Shopping-Spezialist nur noch als Vermittler zwischen Kunden und Anbietern auf und erhält dafür eine Provision. Die Partner sind für Warenaustausch und Auftragsbearbeitung selbst verantwortlich. (mb)