Agassi, Abenteuer, abgelegene Inseln

Lesetipps für die Weihnachtszeit

Claudia Heinelt war als Redaktionsassistentin unter anderem für die Kontaktpflege zu den freien Autoren verantwortlich. Außerdem koordinierte sie gemeinsam mit Kollegin Karen Funk den Wettbewerb "CIO des Jahres". 
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Spiel, Satz und Sieg, Andre Agassi!

Bäh, hatte ich gedacht, so ein Autobiografie-Gedöns von einem Tennisheini aus den 90-er Jahren. Das kann doch nur langweilig sein! (Ja, Sie liegen richtig: Ich habe noch nie Tennis gespielt und werde es auch in diesem Leben vermutlich nicht mehr tun.) Aber dann habe ich doch angefangen, zu lesen. Und zu lesen und zu lesen. Bis das Wochenende vorbei war und "Open" leider auch. Denn es war spannend! Andre Agassi, begnadet - oder vielleicht auch geschlagen- mit einem fotografischen Gedächtnis, lässt uns an fast allem teilhaben: seine im Grunde nicht existierende Kindheit, geprägt durch den maßlosen Ehrgeiz des Vaters, seine Teenager-Jahre an der Tennis-Akademie von Nick Bollettieri, seine ersten Erfolge in einem Sport, für den er zweifellos extrem begabt ist, den er aber im Grunde seines Herzens hasst. Dann sein Aufbegehren gegen ein im Grunde komplett fremdbestimmtes Leben, all die Unsicherheiten desjenigen, der auf der Suche nach einer eigenen Identität ist. Eine Suche mit jeder Menge Höhen und Tiefen: einerseits zunehmend internationale Erfolge auf dem Tennisplatz, verbunden mit mehr und mehr jubelnden Fans, andererseits Schule hinschmeißen, rebellieren mit scheußlicher Kleidung, die falsche Frau heiraten, Drogen nehmen. Was ihn letzten Endes rettet: Freunde finden, Vorbilder. Das Gründen einer Schule für bedürftige Kinder. Und dann schließlich: Steffi Graf.

Ich gebe es zu: Ich habe mich gerne besiegen lassen von dem "Tennisheini". Andre Agassi ist ein sehr mutiges, kraftvolles Buch gelungen, in dem in jeder Zeile eine echte Persönlichkeit durchschimmert. Eine, die auch noch mit Humor zu punkten versteht, wenn er zum Beispiel die erste Begegnung seines eigenen Vaters mit dem von Steffi Graf schildert. Lesen Sie selbst, auch wenn Sie nicht Tennis spielen!