"Plusminus"-Bericht

Lesegeräte für neuen Personalausweis zu unsicher

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Das ARD-Magazin "Plusminus" hat im Sicherheitssystem des neuen Personalausweises, der am 01. November 2010 eingeführt wird, gravierende Mängel festgestellt.
Thomas de Maizière zeigt den neuen Personalausweis (ePA) auf der CeBIT 2010
Thomas de Maizière zeigt den neuen Personalausweis (ePA) auf der CeBIT 2010

Gemeinsam mit dem Chaos Computer Club (CCC) hat die "Plusminus"-Redaktion Testversionen der Basis-Lesegeräte für den neuen Ausweis geprüft. Für Betrüger ist es nach Angaben des Magazins problemlos möglich, sensible Daten abzufangen - inklusive der geheimen PIN-Nummer. Die Lesegeräte sind nötig, um den neuen Personalausweis am heimischen Computer zu nutzen und sich damit für die Abwicklung von Internet-Geschäften zu identifizieren.

Die Bundesregierung behauptet dagegen, das Verfahren sei für den Verbraucher sicher. Für den Betrieb reiche ein "einfaches Basislesegerät ohne eigene Tastatur und eigenes Display aus", heißt es dazu in den Broschüren des Bundesinnenministeriums. Nach Recherchen von "Plusminus" erleichtert jedoch just diese Technik den Klau der Daten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sieht im "Plusminus"-Interview dennoch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Eine Million dieser Geräte sollen kostenlos als "Starter-Kits" verteilt werden.

Um mit dem neuen Personalausweis online Geschäfte tätigen zu können, braucht man neben dem Ausweis selbst und einer sechsstelligen PIN, die man separat erhält, noch ein Lesegerät. Dieses soll später auch im Handel in verschiedenen Preisklassen (und Sicherheitsstufen) angeboten werden. Zum Start "sponsert" das Bundesinnenministerium allerdings über eine Million der einfachsten Lesegeräte. Ein Kostenpunkt von 24 Millionen Euro, finanziert über das Konjunkturpaket II. Die Starter-Kits sollen unter anderem über Computerzeitschriften und ausgewählte Banken abgegeben werden.

Einen ausführlichen Bericht zu den Sicherheitslücken beim neuen Personalausweis sendet "Plusminus" heute (24.08.2010) Abend um 21.50 Uhr im Ersten.