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Lernout & Hauspie ziehen sich zurück

09.11.2000
Bilanzen seit 1998 müssen revidiert werden

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der nächste Kurssturz ist vorprogrammiert: Der belgische Spracherkennungsspezialist Lernout & Hauspie (L&H) teilt mit, dass die beiden namensgebenden Firmengründer Jo Lernout und Paul Hauspie ihre Ämter als Co-Chairmen und Managing Directors niedergelegt haben. Lernout bleibt lediglich Vice Chairman, Hauspie zieht sich "aus gesundheitlichen Gründen" ganz aus der Chefetage zurück. L&H will so "einen Schritt zur Beilegung der gegenwärtigen Kontroversen tun und sicherstellen, dass das Unternehmen seine führende Position im Markt für Sprachtechnik aufrecht erhält". Alleiniger Managing Director ist nun der am 24. August zum CEO ernannte John Duerden. Neuer Chairman wird der einstige Tandem-Chef Roel Pieper.

Das ist aber noch lange nicht alles: L&H kündigte an, dass es seine für Mitte November terminierte Pflichtveröffentlichung für das dritte Quartal bei der US-Börsenaufsicht nicht rechtzeitig einreichen kann. Man müsse, nachdem bei der laufenden Wirtschaftsprüfung "gewisse Fehler und Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden seien, vermutlich die Zahlen für 1998, 1999 sowie das erste Halbjahr 2000 revidieren. Separat hieß es, der Umsatz im dritten Quartal 2000 werde wohl um rund 40 Millionen Dollar niedriger ausfallen als bislang prognostiziert (165 bis 185 Millionen Dollar).

L&H war kürzlich mehrfach in die Schlagzeilen geraten, weil vermutet wird, das Unternehmen habe vor allem seine asiatischen Umsätze manipuliert und weit höhere Einnahmen ausgewiesen als tatsächlich vorhanden (Computerwoche online berichtete).