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Lernout & Hauspie: Die letzte Stunde hat geschlagen

25.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein belgisches Gericht hat den gebeutelten Softwarekonzern Lernout & Hauspie (L&H) am gestrigen Mittwoch für bankrott erklärt. Damit hat der einstige Börsen-Highflyer den seit über einem Jahr andauernden Überlebenskampf verloren. Zuvor hatte das Gericht in Ieper das jüngste Restrukturierungskonzept von L&H erneut abgelehnt und den Gläubigerschutz aufgehoben. Zur Begründung hieß es, die Neuordnung des Spracherkennungsspezialisten habe nicht den Erhalt des Unternehmens, sondern die Liquidation zum Ziel gehabt.

Das Gericht enthob L&H-Chef Philippe Bodson seines Amtes und bestimmte eine Gruppe von fünf Konkursverwaltern, die den Verkauf des Firmenbesitzes und die Bezahlung der Gläubiger abwickeln sollen. Viel werden die Geldgeber von L&H jedoch nicht wieder bekommen: Das Unternehmen, dessen Marktkapitalisierung Anfang 2000 noch rund neun Milliarden Dollar betrug, dürfte inzwischen nicht mehr als rund 17,8 Millionen Dollar wert sein.

Durch die Bankrott-Erklärung des belgischen Gerichts wird ein am vergangenen Montag angekündigter Deal mit Speech Works International hinfällig. Die US-Softwarefirma hatte sich bereit erklärt, L&Hs Spracherkennungs-Kerngeschäft für 12,2 Millionen Dollar zu erwerben. Diese Vereinbarung war jedoch an die Bedingung geknüpft, dass der belgische Konzern weiterhin unter Gläubigerschutz stehen würde.

Welche Auswirkung der noch in den USA bestehende Gläubigerschutz von L&H auf die Liquidationsabwicklung haben wird, ist noch unklar. Jenseits des Atlantiks besitzt die Spracherkennungsfirma ihr zweites Hauptquartier. Bodson kommentierte die Situation mit den Worten: "Ich weiß nicht, was passieren wird. Es ist wie eine Black Box."

L&H, einst die zweitgrößte europäische Softwarefirma, war im vergangenen Jahr durch betrügerische Machenschaften in eine tiefe Krise gestürzt. Nachdem das Management Umsatzmanipulation in großem Stil zugegeben hatte, sank die Aktie in den Keller und wurde letztendlich aus dem Handel genommen. Die Firmengründer Jo Lernout und Pol Hauspie wanderten ins Gefängnis. Inzwischen sind sie gegen Kautionszahlung wieder auf freiem Fuß, müssen sich jedoch in Kürze vor Gericht verantworten.