Lernen von den Fischverkäufern

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Vor einigen Jahren besuchte ich den Markt in Seattle. Besonders beeindruckten mich die Fischverkäufer. Im hohen Bogen flogen die Tiere von einem Verkäufer zum anderen und dann oft auch noch zum Käufer in die Tasche. Es herrschte eine laute und ausgelassene Stimmung wie auf einer guten Feier. Damals dachte ich: Wie ist es möglich, aus so einem Job, den keiner unbedingt freiwillig tut, ein Ereignis zu machen?

Die drei Berater Stephen Lundin, Harry Paul und John Christensen müssen sich diese Frage ein paar Jahre später auch gestellt haben und sind – wie könnte es anders für diese Zunft sein – einen Schritt weiter gegangen. Sie haben analysiert, was auf diesem Markt passiert, vor allem welches das Geheimnis dieser Fischverkäufer ist. Daraus entstand ein Buch und ein Konzept dafür, wie sich Mitarbeiter in Unternehmen motivieren lassen.

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: Mary Jane Ramirez muss in einem Versicherungskonzern eine Abteilung übernehmen, die intern als „Wüste“ und „Giftmülldeponie“ bezeichnet wird, weil die Kollegen so furchtbar unfreundlich gegenüber Kunden sind und demotiviert arbeiten. Zufällig besucht sie den mittlerweile berühmt gewordenen Fischmarkt in Seattle und fragt einen der Oberverkäufer, wieso seine Mitarbeiter immer so gut drauf sind. Dieser nennt ihr vier Kriterien, die sich in jedem Betrieb umsetzen lassen.

Es sind keine neuen und revolutionären Erkenntnisse, die die Autoren gewonnen haben, und der kritische Leser wird zu Recht lästern: typisch amerikanisch, immer diese Hurra-Stimmung. Denn die Autoren stellen fest, dass es entscheidend darauf ankommt, welche Einstellung die Mitarbeiter zu ihrer Arbeit haben, dass sie darüber nachdenken sollten, wie sie anderen eine Freude bereiten können, dass sie den Faktor Spaß nicht vergessen und immer präsent sein sollten.

Das Buch ist leicht und sehr gut lesbar. Anhand des praktischen Beispiels versteht der Leser die Prinzipien, wie sich Mitarbeiter motivieren lassen – auch wenn es in der realen Welt sicher viel schwerer ist. Aber das Beispiel der Fischverkäufer am Pike Place lässt hoffen.

Stephen C. Lundin, Harry Paul, John Christensen: Fish! Ein ungewöhnliches Motivationsbuch. Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter, Wien/Frankfurt am Main 2001, 126 Seiten, 25 Mark/12,78 Euro, ISBN 3-7064-0756-6.