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Lenovo will schnellsten Supercomputer der Welt bauen

28.07.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der chinesische PC-Bauer Lenovo, der durch die Einverleibung der PC-Sparte von IBM Anfang des Jahres 2005 für Furore sorgte, will jetzt auch als Supercomputerbauer groß herauskommen.

Innerhalb der kommenden Jahre wolle man einen Rechner entwickeln, der das heute leistungsstärkste Modell - ein Blue-Gene/L-Rechner von IBM und Silicon Graphics - um mehr als das Sechsfache an Rechenleistung übertreffen würde.

Das offizielle chinesische Nachrichtenorgan "People's Daily" hatte erstmals über die Ambitionen des PC-Herstellers aus dem Reich der Mitte berichtet. Es zitierte die Lenovo-Firmensprecherin Jean Cai mit der Aussage, der Supercomputer werde eine Rechenleistung von 1000 Teraflops (Fließkommaberechnungen) aufweisen. Der momentan schnellste Rechner Blue Gene schafft laut der gemeinsam von der Universität Mannheim, der Universität Tennessee und dem National Energy Research Scientific Computing Center (NERSC) am 22. Juni 2005 veröffentlichten Top-500-Liste 136,8 Teraflops.

Genaue Angaben dazu, wann der Supercomputer aus dem Hause Lenovo einsatzbereit sein wird, machte das Unternehmen nicht. Informationen besagen allerdings, dass er innerhalb des elften Fünfjahres-Plans von China fertig sein soll. Das wäre die Periode von 2006 bis 2010.

Die chinesische Zeitung verwies darauf, dass China mehr Supercomputer-Rechenleistung benötige, um sein Wirtschaftswachstum bewerkstelligen zu können. Das Land könne sich bezüglich der Nachfrage nach Höchstleistungsrechnern nicht auf Hilfe von außen verlassen.

Der momentan leistungsstärkste chinesische Superrechner steht in Shanghai im Supercomputer Center. Die "Dawning 4000A" wird von dem einheimischen Höchstleistungsrechnerbauer Dawning Information Industry Co.Ltd. gebaut. Mit einer Rechenleistung von acht Teraflops rangiert das System in der Top-500-Liste an 31. Stelle.

Lenovo ist im Supercomputergeschäft kein Neuling: Sein Modell "Deepcomp 6800" bringt es auf vier Teraflops, womit es in der Rangfolge der weltweit 500 leistungsstärksten Rechner immerhin auf Platz 72 liegt.

Sehr ehrgeizige Pläne in Sachen Numbercruncher - wie die "Zahlenfresser" auch genannt werden - hat zudem Japan. Die USA und das Land der aufgehenden Sonne liefern sich seit Jahren einen Kampf um die Spitzenposition der Top-500-Liste. NEC-Boliden belegten lange Zeit den vordersten Platz, bevor die IBM im vergangenen Jahr in einer Gemeinschaftsarbeit mit Silicon Graphics den japanischen Rechnern mit dem Blue-Gene-System vorläufig den Rang als Nummer eins abliefen.

Nach Mitteilungen des Ministeriums für Ausbildung, Kultur und Wissenschaft will die japanische Regierung einen Rechner bauen lassen, der bis zum Frühjahr 2011 fertig ist und der mehr als eine Quadrillion Rechenoperationen (eine Quadrillion ist die vierte Potenz einer Million) pro Sekunde ausführen kann. (jm)