Lenovo will den schnellsten Supercomputer der Welt bauen

01.08.2005
Der chinesische PC-Bauer, der sich die PC-Sparte von IBM einverleibte, will jetzt auch mit einem Zahlenfresser groß herauskommen.

Bist spätestens 2010 wolle man einen Rechner entwickeln, der das heute leistungsstärkste Modell - einen Blue-Gene/L-Rechner von IBM und Silicon Graphics - um mehr als das Sechsfache an Rechenleistung übertreffen werde.

Das offizielle chinesische Nachrichtenorgan "People’s Daily" hatte erstmals über die Ambitionen des PC-Herstellers aus dem Reich der Mitte berichtet. Es zitierte die Lenovo-Firmensprecherin Jean Cai mit der Aussage, der Supercomputer werde eine Rechenleistung von 1000 Teraflops (Fließkommaberechnungen pro Sekunde) aufweisen. Der momentan schnellste Rechner Blue Gene schafft laut der gemeinsam von der Universität Mannheim, der Universität Tennessee und dem National Energy Research Scientific Computing Center (NERSC) am 22. Juni 2005 veröffentlichten Top-500-Liste 136,8 Teraflops.

Genaue Angaben dazu, wann der Supercomputer aus dem Hause Lenovo einsatzbereit sein wird, machte das Unterneh- men nicht. Informationen be- sagen allerdings, dass er innerhalb des elften chinesischen Fünfjahresplans fertig sein soll. Das wäre die Periode von 2006 bis 2010.

Die chinesische Zeitung verwies darauf, dass China mehr Supercomputer-Rechenleistung benötige, um sein Wirtschaftswachstum bewerkstelligen zu können. Das Land könne sich bezüglich der Nachfrage nach Höchstleistungsrechnern nicht auf Hilfe von außen verlassen.

Der momentan leistungsstärkste chinesische Superrechner steht in Shanghai im Supercomputer Center. Die "Dawning 4000A" wird von dem einheimischen Höchstleistungsrechnerbauer Dawning Information Industry Co.Ltd. gebaut. Mit einer Rechenleistung von acht Teraflops rangiert das System in der Top-500-Liste an 31. Stelle.

Lenovo ist im Supercomputergeschäft kein Neuling: Sein Modell "Deepcomp 6800" bringt es auf vier Teraflops, womit es in der Rangfolge der weltweit 500 leistungsstärksten Rechner immerhin auf Platz 72 liegt.

Ehrgeizige Pläne in Sachen Numbercruncher - wie die "Zahlenfresser" auch genannt werden - hat zudem Japan. Die USA und das Land der aufgehenden Sonne liefern sich seit Jahren einen Kampf um die Spitzenposition der Top-500-Liste. NEC-Boliden belegten lange Zeit den vordersten Platz, bevor die IBM im vergangenen Jahr in einer Gemeinschaftsarbeit mit Silicon Graphics den japanischen Rechnern mit dem Blue-Gene-System vorläufig den Rang als Nummer eins ablief.

Nach Mitteilungen des Ministeriums für Ausbildung, Kultur und Wissenschaft will die japanische Regierung einen Rechner bauen lassen, der bis zum Frühjahr 2011 fertig ist und der mehr als eine Quadrillion Rechenoperationen (eine Quadrillion ist die vierte Potenz einer Million) pro Sekunde ausführen kann. (jm)