Marke als Türöffner

Lenovo schließt Übernahme von Motorola Mobility ab

30.10.2014
Rund neun Monate hat es gedauert, bis der PC-Riese Lenovo den Handy-Pionier Motorola schlucken konnte. Die Marke des US-Konzerns soll Lenovo beim internationalen Ausbau helfen.

Der weltgrößte Computer-Hersteller Lenovo hat die Übernahme des Handy-Pioniers Motorola abgeschlossen. Motorola gab den Vollzug am Donnerstag bekannt, rund neun Monate nach Ankündigung des Deals. Lenovo zahlt dem bisherigen Besitzer Google knapp drei Milliarden Dollar für Motorola. Google hatte für Motorola Mobility 12,5 Milliarden Dollar bezahlt. Der Internetriese behält aber beim Verkauf am Lenovo zahlreiche Motorola-Patente.

Motorola Mobilility, Zentrale in Libertyville
Motorola Mobilility, Zentrale in Libertyville
Foto: MMI

Motorola hatte einst mit dem ersten Handy die Geschichte der Mobiltelefonie geprägt. Zuletzt hinkte der US-Konzern jedoch im Smartphone-Geschäft hinterher, Konkurrenten wie Samsung oder Apple zogen vorbei. Motorolas Marktanteile sanken in den einstelligen Prozentbereich.

Motorolas neuer Besitzer Lenovo drängt verstärkt ins Smartphone-Geschäft. Nach jüngsten Zahlen des Marktforschers IDC waren die Chinesen im vergangenen Quartal auch ohne Motorola die Nummer vier mit einem Marktanteil von 5,2 Prozent und 16,9 Millionen abgesetzten Geräten. Lenovo will den Namen Motorola unter anderem in Regionen einsetzen, wo die eigene Marke noch nicht so bekannt ist.

Die beidenMarken werden zunächst ihre eigenen Produktreihen und Planungen behalten, sagte Lenovos Europachef Aymar de Lencquesaing der dpa. Erst mit der Zeit solle entschieden werden, wie sie angeglichen werden könnten. Motorola werde von einem gemeinsamen Einkauf von Teilen und der Zusammenarbeit beim Marketing profitieren.

Bei den Marken wolle Lenovo pragmatisch vorgehen, sagte de Lencquesaing. Geräte von Motorola sollen weiter in den USA, Westeuropa und in Schwellenländer wie Brasilien verkauft werden, wo die Marke stark sei. In Asien wolle Lenovo weiterhin vor allem auf den eigenen Namen setzen. In China soll es Geräte beider Marken geben.

Google hatte den Kauf von Motorola 2011 unter anderem mit dem Patentarsenal des Mobilfunkpioniers begründet. Motorola sei im scharfen Wettbewerb in der Handy-Branche bei einem reinen Gerätehersteller besser aufgehoben, sagte Google-Chef Larry Page im Januar. Google könne sich nun ganz auf die Weiterentwicklung des mobilen Betriebssystems Android konzentrieren. Das Forschungslabor von Motorola, das unter anderem ein Smartphone zum Zusammenstecken im Baukastensytems ("Project Ara") entwickelte, bleibt bei Google. (dpa/tc)