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Lenovo-Konflikt: IBM will chinesische Spione aussperren

25.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM und die US-amerikanischen Behörden arbeiten an einer Lösung im Lenovo-Konflikt. Hintergrund sind die Befürchtungen der US-Regierung, mit dem Verkauf der PC-Sparte an den Hersteller Lenovo, der mehrheitlich im Besitz des chinesischen Staates ist, einem fremden Land Zugang zu Informationen über hochwertige IT-Verfahren einzuräumen. Die Erkenntnisse ließen sich für die Weiterentwicklung von Militärtechnik ausnutzen, so die Kritik der Behörden.

Ins Kreuzfeuer der Kritik sind zwei Gebäude in North Carolina geraten. Dort, so befürchten die Behörden, drohe Industriespionage. Der chinesische Staat könne an Informationen über öffentliche Einrichtungen der USA gelangen, die zu IBMs Kundenstamm zählen. IBM hat nun vorgeschlagen, Lenovo-Mitarbeitern nur bedingten Zutritt zu den Gebäuden einzuräumen und einige Räumlichkeiten für Beschäftigte der PC-Sparte komplett zu sperren. Alle Daten über behördliche Kunden will Big Blue vor seinem chinesischen Partner geheim halten. Eine Entscheidung über den Verkauf steht weiterhin aus.

In den USA muss jeder Verkauf eines Unternehmens an einen ausländischen Investor vom "Ausschuss für Auslandsinvestitionen in den USA" (CFIUS) unter Vorsitz des Finanzministeriums genehmigt werden. Der Ausschluss beäugt die Transaktionen immer dann sehr genau darauf, ob die nationale Sicherheit gefährdet ist, wenn ausländische Staaten bedeutende Anteile am Käufer halten. Die Institution gibt es bereits seit 1988. Ihrer Prüfprozedur musste sich vor fünf Jahren schon die Deutsche Telekom unterziehen, als sie den Mobilfunkbetreiber Voicestream (heute T-Mobile USA) übernehmen wollte. Im CFIUS sitzen neben Experten des Finanzministeriums auch Vertreter des Heimatschutzes und des Justiz- und Verteidigungsministeriums. (jha)